Psychotherapie

Paruresis ist eine spezielle Angststörung, die mit einer Psychotherapie erfolgreich behandelt werden kann.

Welche Therapieform hilft bei Paruresis?

Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Angststörungen. Im Rahmen seines Forschungsprojekts konnte Prof. Hammelstein dieser Therapieform für die Behandlung von Paruresis „sehr gute Behandlungseffekte“ nachweisen. Die Inhalte auf dieser Seite beziehen sich daher allesamt auf die kognitive Verhaltenstherapie.

Aufbau einer kognitiven Verhaltenstherapie

Eine kognitive Verhaltenstherapie besteht auf den folgenden drei „Bausteinen“:

  • einem kognitiv orientierten Teil (negative Annahmen und Gedanken des Betroffenen über Angst auslösende Situationen korrigieren)
  • einem verhaltensorientierten Teil (das Urinieren in Angst auslösenden Situationen trainieren)
  • einem entspannungsorientierten Teil (Techniken zur bewussten Entspannung der an der Entleerung beteiligten Muskeln)

Kognitiv orientierter Teil

In der Fachsprache wird diese komponente auch als „kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Annahmen“ bezeichnet.

Die negativen Annahmen und Gedanken, die der Betroffene rund um die Angst auslösenden Situationen hat, richten sich zum einen auf den Vorgang des Urinierens selbst. Beispielsweise kreisen die Gedanken der Betroffenen darum, was andere denken, wenn man nicht sofort urinieren kann. Zum anderen befürchten die Patienten aber auch, eine Entleerungsstörung ist ein Zeichen mangelnder Männlichkeit. Manche meinen, nur wenn sie auch im Stehen urinieren können, seien sie ein richtiger Mann. In diesem Zusammenhang kommt auch zum Tragen, dass eine uralte Form männlicher Rivalität darin bestand, sich beim Urinieren gegenseitig zu übertreffen. Die Betroffenen befürchten zu unterliegen bzw. fühlen sich unterlegen.

Solche Überlegungen werden in der Therapie bewusst gemacht und sollen nach und nach verändert werden. Es soll erreicht werden, den Betroffenen andere Denkweisen zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, schamauslösende Gedanken stoppen zu können.

Verhaltensorientierter Teil

Im verhaltensorientierten Teil einer Therapie, der auch „Expositionsbehandlung“ oder „Desensibilisierung“ genannt wird, werden die Patienten mit Angst auslösenden Situationen konfrontiert, um die Entleerungsstörung nach und nach zu überwinden.

Zunächst wird ermittelt, unter welchen Bedingungen die Entleerungsstörung auftritt. Ziel ist es, sich schrittweise an die Angst auslösenden Situationen heranzutasten und sie erfolgreich zu meistern. Dazu ist es nötig, die Reizbedingungen graduell zu erschweren.

Begonnen wird mit Situationen, in denen eine Blasenentleerung möglich ist, dabei begleitet der Therapeut den Patienten. Voraussetzung ist, dass der Patient genug getrunken hat, um überhaupt den Drang zum Urinieren zu verspüren. Wird diese Situation gemeistert, also ist die Entleerung der Blase möglich, wird das Wasserlassen nach wenigen Sekunden wieder unterbrochen und der Schweregrad wird gesteigert.

Beispielsweise steht der Therapeut zunächst soweit entfernt, dass der Patient in der Lage ist zu urinieren. Dann wird die Entleerung unterbrochen und die Bedingungen werden erschwert, indem sich der Therapeut sich dem Patienten nähert. Häufig finden die ersten Konfrontationen auf „kontrollierbaren“ Toiletten statt, beispielsweise zuhause oder in den Therapieräumlichkeiten. Sind diese Situationen erfolgreich überstanden (also konnte der Patient seine Blase entleeren), kann der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden, indem man sich zusammen mit dem Therapeuten in unvertrautere Umgebungen begibt. Ziel ist es, die Reizbedingungen so lange zu erschweren, bis auch bisher stark vermiedene Situationen gemeistert werden (Benutzen des Urinals auf öffentlichen Toiletten) und die Betroffenen schließlich auch ohne den Therapeuten in ehemals Angst auslösende Situationen urinieren können.

Wie finde ich einen geeigneten Therapeuten?

Achten Sie bei der Suche nach einem Therapeuten auf die geschützten Berufsbezeichnungen „Facharzt für Psychotherapie“ oder „Psychologischen Psychotherapeuten“, die sich auf verhaltenstherapeutische Behandlungen spezialisiert haben. Sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten ab, ob er bereit ist, sie auch bei Übungen auf der Toilette zu begleiten.

Ein guter Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Suche ist der Psychotherapie Informationsdienst des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Die dort angebotene Suche ermöglicht neben der Auswahl des Verfahrens („Verhaltenstherapie“) auch eine Filterung nach Geschlecht, ein wichtiger Aspekt für spätere Expositionsübungen auf öffentlichen Toiletten.

Stationäre Behandlung

Die Christoph-Dornier-Klinik in Münster ist eine Privatklinik, die eine stationäre Behandlung speziell für Paruresis anbietet. Interessierte können in Silas Erfolgsbericht nachlesen, welche Erfahrungen sie dort gemacht hat. Im Forum gibt es einen weiteren Erfahrungsbericht von „eva“ sowie Diskussionen zur Kostenübernahme.