Rückfall oder spezielle Paruresis?

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Tommy234
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Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Tommy234 »

Hi Leute,

hatte eigentlich Gedacht ich habe alle Schwierigkeiten gemeistert, jetzt fällt mir eine Toilette total schwer im beruflichen Kontext.

Das heißt auch wenn ich dringend muss, kommt im Stehen der Urin nur Portionsweise und kein vernünftiger Strahl,
Die Toilette ist nicht besonders, abschließbare Tür bis unten hin, man hört vielleicht etwas Unterhaltungen im Nachbarbüro.
Ich denke die Schwierigkeit dieser Toilette ist vielleicht, dass sie sich einige Leute Teilen und ich dort funktionieren "muss" anders als im privaten.. Aber mit klassicher Paruresis wo es um die direkte Anwesenheit anderer geht ist es ja nicht.
ß
Mit viel Mühe kann ich entleeren, das ist schon deutlich mehr Freiheit als ganz früher, aber nachdem ich sogar im Fußballstadion gut konnte bei voller Pinkelrinne, dachte ich, ich hätte eine gewisse Lockerheit erreicht.
Jetzt macht mir eine bestimmte Toilette wieder etwas Stress.

Werde bis ende der Woche noch das Vergnügen habe dieses Toilette mehrmals täglich zu benutzen und versuche mir so wenig Druck wie möglich zu machen. Das heißt normal Wasser und Kaffee trinken und kein Vermeiden.
Vielleicht gelingt mir ja noch der Durchbruch.

Auch wenn sich das nicht so dramatisch liest denke ich, merke ich wie das Kopfkino losgeht und sozusagen die Angst vor der Angst aufkommt. Es besteht auf jeden fall demnächst ein beruflicher Neuanfang bevor, mit ungewisser Toilettensituation und deswegen habe ich die Befürchtung, dass es in ungewohnter Situation wieder mit der Paruresis losgeht.

Merke das niederschreiben Tut mir gut, werde glaube öfter mal schreiben, wenn sich die Paruresis oder sogar die Angst vor der Angst wieder aufkommt. Freue mich auf euer Feedback.

Liebe Grüße

Euer Tommy
FreeMind
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Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von FreeMind »

Hallo Tommy,

grundsätzlich sind "Rückschläge" bei Paruresis fast unvermeidbar. Ganz im Gegenteil, bieten sie die Möglichkeit zur persönlichen Weiterentwicklung. Du solltest Dich davon also nicht einschüchtern lassen.

Weil jeder Mensch anders ist, ist auch Paruresis sehr unterschiedlich. Du hast keine "spezielle" Paruresis, nur Deine individuelle Paruresis. Ich vermute, dass Du Dich sehr vom Urteil anderer abhängig fühlst. Das deutet auf mangelndes Selbstvertrauen und Selbstzweifel hin. Daran kann man gezielt arbeiten.

Du nimmst die Kollegen (durch die Wand) eigentlich nur wahr, weil Du im "Flucht-Kampf-Modus" bist. Das bedeutet geschärfte Sinne und eben die Bereitschaft zu Kampf oder Flucht, nicht zur Entspannung, was zum Pinkeln aber erforderlich wäre. Bestimmte Umgebungen verunsichern Dich, das ist für sensible Menschen ganz normal. Eine Toilette mit seltsamen Kacheln, ungewöhnlichen Urinalen, Spiegel an der Wand, schon fühlt man sich unsicher und das verursacht Ängste.

Du gehst vielleicht schon mit einem unterbewussten Zweifel in die Toilette, vielleicht weil Du Dich unter den Kollegen unsicher und unterlegen oder angreifbar fühlst. In der Toilette beim Fußball, war das Gefühl bestimmt ganz anders.

Auch wenn Deine Kollegen nicht physisch in der Toilette sind, Du nimmst sie in Deinem Kopf mit hinein und das löst die Pinkelhemmung aus. Es wäre zu einfach zu sagen, lass sie doch vor der Tür. Der bessere Weg ist, sich mit ihnen in der Toilette gedanklich auseinander zu setzen. Glaubst Du wirklich, sie haben keine Schwächen oder, dass sie sich nicht für etwas schämen, was niemand wissen darf?

Ich glaube, dass es Dir in Deiner Situation am besten hilft, wenn Du (in der Toilette) Selbstgespräche mit Deinen Kollegen führst. Du kannst dabei mit ihnen ganz offen und ohne Scheu über Deine Ängste und Sorgen sprechen. Probiere es aus und beobachte, wie es nach und nach wirkt. Außerdem hilft Ablenkung. Etwas lesen, ein Bild anschauen, die eigene Atmung beobachten oder an etwas anderes denken. Und vor allem, lass Dir Zeit!

Akzeptiere Dich so wie Du bist, denn Du kannst kein anderer sein als der, der Du bist. Denke immer wieder darüber nach und irgendwann wirst Du es als selbstverständliche Tatsache begreifen. Dann gibt es gar keinen Grund mehr für Selbstzweifel.

Viele Grüße
-freemind-

Du kannst mir auch gerne eine PN schreiben
Tommy234
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Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Tommy234 »

Hallo Freemind,

Danke für deine Antwort.
Ich denke du hast Recht, dass es mit dem Selbstwert zusammenhängt.
Heute morgen hatte ich kurz so eine "mir egal was andere denken" Einstellung, dann hat es auf der Toilette gut geklappt.
Ein paar Stunden später kamen dann wieder die Selbstzweifel wie "ich guck mal ob es jetzt wieder klappt, mal gucken" und dann hat es natürlich nicht gut geklappt. Trotzdem hat es meine Stimmung nicht stark heruntergezogen, hier ist oft von missfires die Rede und dass man diese abhakt und weitermacht.

Was ich nicht so genau verstehe: Was verstehst du unter Selbstgesprächen mit Kollegen auf der Toilette?
Soll ich mir dann auf der Toilette gedanklich vorstellen, wie ich den Kollegen von meinem Problem erzähle und diese dann gut reagieren?
Wäre cool, wenn du mir das genauer erklären könntest.

Viele Grüße

Tommy
FreeMind
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Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von FreeMind »

Hallo Tommy

ja, ganz genau. Stell Dir vor, Du bist auf der Toilette und versuchst zu pinkeln und es geht nicht. Denk dann an einen netten Kollegen und erzähle ihm in einem stillen Selbstgespräch von deinem Problem mit dem Pinkeln und dann lass ihn antworten. Was sagt er dazu? Wenn nichts von ihm kommt, legst Du ihm die Worte in den Mund, die Dir ein gutes Gefühl geben.

Oder Du führst ein lockeres Gespräch mit ihm, vielleicht gab es vor kurzem so ein belangloses Gespräch, das du jetzt noch mal nachspielen kannst. Das alles im stillen Dialog. Falls diese Dialoge zu negativen Stimmungen führen, weise den Kollegen zurecht. Das kannst Du ja völlig risikolos tun. Du musst Dir nichts gefallen lassen! In jedem Fall, klärst Du so die Beziehungen zu den anderen. Auch hier ist etwas Geduld notwendig. :)

Wenn man Paruresis behandeln will, muss man viel experimentieren und Verschiedenes ausprobieren.:idea: Es gibt keinen festen Plan, der sicher zum Ziel führt. Was ich noch gelernt habe, ist, dass man möglichst viele verschiedene "Angriffspunkte" nutzen muss, um wirklich frei davon zu werden. Kreativität ist Trumpf. :wink:

Selbstgespräche sind in unserer Gesellschaft nicht gut angesehen. Wer das für andere hörbar tut, wird einer Geisteskrankheit verdächtigt. :lol: In der ayurvedischen Medizin, gilt das jedoch als Mittel zur Heilung. Tatsächlich führen wir ständig Selbstgespräche. Es sind unsere Gedanken, die kommen und gehen. Jeder der meditiert, kann das ständig beobachten.

Viele Grüße
-freemind-
Tommy234
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Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Tommy234 »

Hallo Freemind,

du sagtest man könne am Selbstvertrauen arbeiten.
Hast du da gezielte Vorschläge, was man da so tun könnte?
Oder musst du da mehr über mich wissen? dann könnte ich dir auch ne PN schreiben.

Ich hab gleich wieder nen Termin in besagtem Büro und probiere es mal aus mit den Selbstgesprächen.

Viele Grüße

Tommy
FreeMind
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Registriert: 26. Mai 2025 21:02
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Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von FreeMind »

Hallo Tommy,

um an Deinem Selbstvertrauen zu arbeiten, ist es "nur" erforderlich, dass Du Deine Komfortzone verlässt und häufiger mal in die Wachstumszone wechselst. In kleinen Schritten erweiterst Du so Deine Handlungsmöglichkeiten. Das verlangt allerdings intrinsische Motivation, Durchhaltevermögen und selbstverständlich seine Zeit.

Um ein einfaches Beispiel zu nennen. Wenn Du Dich in einem Fitnesstudio anmeldest, dann zeigt Dir ein Trainer, wie Du mit welchen Gewichten trainierst. Wenn Du gute Trainingsergebnisse erzielen willst, erhöhst Du die Gewichte in kleinen Schritten, bis Du jeweils Deine Grenzen erreichst, wo es schon ziemlich anstrengend ist. Das ist die Wachstumszone.

Beim Selbstvertrauen ist es nicht anders. Du musst in die Wachstumszone und dazu gibt Dir das Leben viele Möglichkeiten. Du musst bewusst Risiken eingehen, beispielsweise auch mal NEIN sagen, auch wenn Du befürchtest, dass man es Dir übel nimmt. Oder - Dich ans Urinal stellen, auch wenn Deine Kollegen mitbekommen könnten, dass bei Dir nichts läuft...

Die Grundlage von Selbstvertrauen ist Selbstakzeptanz.

Weil ich das Thema Paruresis mit all seinen Faszetten so spannend finde, habe ich nach Methoden gesucht, die neben Expositionsübungen hilfreich sind. Dabei bin ich auf ACT gestoßen, eine Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie. Weil ich mehr darüber erfahren wollte, habe ich mir ein Buch bestellt, das mich irgendwie angesprochen hat. Das war ein Glückstreffer, denn das Buch erklärt die "Akzeptanz-Commitment-Therapie" in leicht verständlicher Art und Weise. Es ist vor allem ein Arbeitsbuch, das jeder für sich selbst nutzen kann!

https://shop.wiley-vch.de/umdenken-lern ... 3527720873

Ich kann Dir das Buch sehr empfehlen. Kostet nur 20 Euro und enthält alles Notwendige, um Defizite beim Selbstvertrauen zu überwinden.

Scheib mir gerne auch eine PN.

Viele Grüße :)
-freemind-
Marco87
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Beiträge: 24
Registriert: 28. Januar 2025 13:44

Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Marco87 »

Hey Tommy,

erst einmal, ist es ein richtig krasser Fortschritt an der Pissrinne im Stadion zu Pinkeln. Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen :D .

Rückschläge sind leider ziemlich normal. Ich bin jetzt scho ne Weile aus dem Paruresisworkshop draußen und mich erwischt es auch noch manchmal.

Vielleicht hilft Dir meine Vorgehensweise. Ich gehe an einen Ort oder in eine Situation, wo ich zu 100% kann und versuche dann, das Gefühl, das Mindset oder die Entspannung auf die Situation zu übertragen, wo es nicht lief. Es ist so ein bisschen, wie als würde ich einen Screenshot von der Situation machen, um diesen dann auf die unangenehme Situation zu übertragen.

Ich hoffe, ich konnte mich irgendwie verständlich ausdrücken. Frag einfach. Ich bin jetzt aber erstmal im Urlaub.


Liebe Grüße

Marco
Tommy234
User
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Registriert: 17. Dezember 2023 22:09

Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Tommy234 »

@freemind: danke werd mir das Buch besorgen und dir später nochmal eine PN schreiben.

@marco:

Bei mir ging es eine längere Zeit stetig Berg auf. Das mit den wohlmöglichen Rückschlägen habe ich im forum ein paar mal gelesen und hatte die Hoffnung bis vor kurzem davon verschont zu bleiben.
Ich probiere das mit dem Screenshot morgen aus. Werde jetzt auch wieder vermehrt üben, weil ich merke die Sorge, dass es sich wieder zurückentwickelt. Denke das üben wird mir zeigen, dass es noch funktioniert, was ich erlernt habe.



Werde in dem Thread hier berichten wie es läuft, egal ob Erfolge oder zwischenzeitliche Rückschläge oder sogar Fragen an die community hier.

Bin froh, dass es den Ort hier gibt.

Liebe Grüße

euer Tommy
Rolf
Poweruser
Beiträge: 240
Registriert: 30. März 2004 19:21

Re: Rückfall oder spezielle Paruresis?

Beitrag von Rolf »

Hallo Tommy,

was weiter oben beschrieben ist sagt schon sehr viel Gutes aus. Die Sache ist bekanntermaßen vielschichtig. Aber ich muss nicht mehr im Kopfstand vom Eiffelturm pinkeln. Die Lösungen liegen teilweise in Bereichen an die man momentan eben einfach nicht denkt. Alles muss, nichts kann. Oder so ähnlich.

Diese „Rückschläge“ musst Du relativ sehen: Es handelt sich hier um ein Neubeschreiben Deiner neuronalen Verbindungen. Das ist kein statischer Vorgang und es ist erforderlich, Deine „Glaubenssätze“ immer wieder zu hinterfragen und eventuell neu zu fassen. Das ist nicht in ein paar Minuten vom Tisch, das wissen wir.

Was heute nicht geht, geht morgen.
Tommy234 hat geschrieben: 3. August 2026 18:00 Bin froh, dass es den Ort hier gibt.
Das geht und ging mir auch so. Diese allfälligen Bosheiten denen man woanders begegnet, hat man von Anfang an hier so gut wie nicht gesehen.

Liebe Grüße, Rolf
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