durch "zufall" wieder geheilt

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Moderator: SimoneH

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MacD
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durch "zufall" wieder geheilt

Beitrag von MacD » 12. Dezember 2019 17:49

hallo liebe betroffene,

ich habe lange gehadert ob ich meine geschichte publik machen soll, da sie einen etwas anderen und unfreiwilligen weg aufzeigt als die meisten, aber ich denke dennoch, dass es zumindest nicht schaden kann.

wer sich meinen leidensweg ersparen möchte, kann gerne drei absätze herunterscrollen.

an alle die, die leiden und glauben, es gibt keinen ausweg - es gibt einen. denn auch ich kann sagen: ich bin seit etwa einem jahr geheilt. seit 2012 litt ich unter paruresis und sie hat meinen alltag nicht nur eingeschränkt, sondern mich zwei jahre lang zu hause eingesperrt. ich habe viele soziale kontakte verloren, war unsicher und ängstlich und habe meine wohnung nur dann verlassen, wenn es unbedingt sein musste, z.b. wenn klausurphase an der uni war. ich konnte nur zu hause in ruhe auf klo gehen, kneipen, clubs, restaurants, sogar cafés waren ein no-go.

irgendwann hatte ich die schnauze voll und ich habe mich dann an eine therapiestelle hier in NRW gewendet und sogar ein seminar mit steven soifer in speyer besucht. all das war 2013. die therapie hat zunächst wenig gebracht, später immer ein wenig mehr, aber so richtig wollten sich keine erfolgserlebnisse einstellen. dennoch habe ich versucht, meinen alltag wieder aufzunehmen und die öffentlichkeit nicht zu meiden. das ging bisweilen ganz gut, so dass ich zumindest tagsüber wieder in öffentliche orte gehen konnte, auch in kleine restaurants oder cafés habe ich mich langsam wieder getraut. aber es wurde alles anders im november 2018:

ich war auf einem geburtstag eingeladen. die ansage war, dass man nach gemeinsamem vorglühen noch einen club (das bootshaus in köln - wer den laden kennt, der weiß wovon ich rede...) aufsuchen wollte. ich hatte mir keine illusionen gemacht und innerlich schon damit gerechnet, dass ich eh nicht mitgehen würde, da der gedanke, in einem (großen!) club auf toilette zu gehen völlig absurd und unmöglich erschien... aber irgendwie habe ich mich doch hinreißen lassen und bin mitgegangen. und hier ist es passiert. ich habe in den 30 jahren die ich nun alt bin nie harte drogen genommen. ab und zu mal gekifft habe ich, aber das war das höchste der gefühle. an besagtem abend aber wurde mir im club von einem freund eine halbe ecstasy angeboten. wir waren gerade angekommen und mir war irgendwie alles egal, also habe ich mich darauf eingelassen. aus irgendeinem mir nicht mehr nachvollziehbaren grund bin ich nach ca. einer stunde wie selbstverständlich auf die toilette gegangen und siehe da - es lief einfach. ohne lange darüber nachzudenken. ich habe vor freude geheult. zur information: der in den tabletten enthaltene wirkstoff (MDMA) wirkt angstlösend, enthemmend und fördert empathie. es scheint also so, dass das zeug bei mir irgendwelche hemmungen gelöst und ängste kurzfristig abgeschaltet hat. der abend war entsprechend gelöst und entspannt, und am morgen danach konnte ich immer noch kaum fassen was da passiert ist. aber eins war anders: ich hatte auf einmal mut und war positiv, dass ich paruresis doch abschütteln könnte!

dasselbe procerede hat sich im janaur diesen jahres und dann alle vier bis sechs wochen wiederholt (stets bei geringer dosis! ganz wenig, so dass man in gelöste stimmung kommt - bei mir genügt da i.d.r. eine halbe), in verschiedensten clubs in ganz deutschland, und es war seitdem nie ein problem. das ganze hat sich auf meinen alltag ausgeweitet. ich denke nicht mehr darüber nach, ob ich an einem bestimmten ort vielleicht nicht pinkeln kann, sondiere nicht mehr die umgebung, habe sogar keine angst mehr vor bahnfahrten oder flügen - beides war für mich die letzten sieben jahre ausgeschlossen, gehe raus und lebe mein leben. es ist wie weggezaubert.

ich würde niemals jemandem dazu raten, drogen zu nehmen. das muss man selbst entscheiden ob man sich darauf einlassen möchte. in meinem konkreten fall jedoch hat das eine tür aufgestoßen, wie ich es nie zu denken gewagt hätte. ich habe ganz neue lebensqualität gefunden, viele neue und alte freunde und ich bin einfach froh, mein leben so leben zu können wie andere menschen auch. es ist alles im kopf, man muss ihn nur ausschalten. und es zeigt, dass es nicht den einen weg gibt, sondern viele verschiedene.

ich wünsche allen betroffenen, die ihr problem angehen möchten, viel erfolg. gebt nicht auf. es ist möglich.
Zuletzt geändert von MacD am 12. Dezember 2019 18:00, insgesamt 3-mal geändert.

MacD
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Re: durch "zufall" wieder geheilt

Beitrag von MacD » 12. Dezember 2019 17:53

doppelpost, sorry...

Chrissy
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Beiträge: 2
Registriert: 16. Januar 2020 19:07

Re: durch "zufall" wieder geheilt

Beitrag von Chrissy » 16. Januar 2020 20:54

Hey MacD,

ich finde es wunderbar, dass du einen Umgang für dich damit gefunden hast und deine Lebensqualität wieder zurück hast! :)

Falls du dennoch eine Alternativlösung zu den Drogen suchst ;)... Mit Katheter schaffst du es deinen Körper zu überlisten, ist vielleicht nicht unbedingt die einfachere bzw. schönere Variante, aber eine Alternative. Nur als Denkanstoß ;).

Alles Gute!

Chrissy

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