Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

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Grashalm67
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Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

Beitrag von Grashalm67 » 24. April 2018 08:53

Hallo liebe Mitglieder,
ich bin 50 Jahre und heiße Christian.
Ich hatte schon ab der Schulzeit immer Probleme mit dem Toilettengang bzw. mit dem Pinkeln. :roll:
Besonders schlimm ist es immer auf Feiern oder Öffentl. Veranstaltungen, wo man mit vielen Menschen zusammen
die Toiletten nutzen muss.
Aber auch beim Besuch bei Freunden wo man ja wenn man auf Toilette ist, in einer Bestimmten Zeit zurück
erwartet wird....ich Denke Ihr wisst wovon ich spreche...
Der Höhepunkt aber, war letztes Jahr auf meinem Geburtstag, wir sind in den Kurzurlaub gefahren und wie es so kommt, nach einiger Zeit, drückt die Blase.
Jetzt war es aber so, das nur am Straßenrand Tankstellen waren, wo nur eine Kabine vorhanden ist in der man sich einschließen konnte.
Es kam wie es kommen musste, ich saß kaum auf der Schüssel...(stehend Pinkeln kann ich so gut wie garnicht) da riss der nächste
schon an der Tür.
Die Nervosität stieg daraufhin bei mir und der Pulsschlag und Blutdruck ebenfalls, so das ich mich blockiert habe und nichts mehr ging.
Ich bin dann aufgestanden und hab zu meiner Frau gesagt, das wir eine andere möglichkeit zum Wasserlassen finden müssen.
Gesagt getan an die nächste Tanke...da dann das selbe Spiel...daraufhin war der Druck in meiner Blase so groß, das wir in das nächst gelegene Krankenhaus gefahren sind um mir einen Katheter erleichterung zu schaffen.
Ich hatte dann im Krankehaus zu meine Frau gesagt, lasse es mich noch einmal probieren, bevor wir auf die Urologistation
gehen....und dann auf der Krankenhaustoilette ging es dann endlich...was für ein Segen.
Seit dem, habe ich mit starken Angstzuständen zu kämpfen, jedes mal wenn ich auf die Toilette gehe...egal auf welche auch
Zuhause.
Ich habe sogar seit einem dreivierteljahr eine Bauchdeckenkatheter weil die Ärtze das als eine vorübergehende Lösung für mein
ständiges Blockieren angesehen haben....
Trotz des Katheters, blieben die Angstzustände und ich rege mich jedes mal auf, wenn ich zur Toilette wasserlassen gehen muss....obwohl ich ja den Katheter als Sicherheit habe.
Ich habe mir den Bauchdeckenkatheter auch schon mal ziehen lassen um zu sehen ob mein Zustand dann besser wird aber
das ging nicht lange gut, da mussten mir die Ärzte diesen wieder erneut setzen.
Bin auch bereits in Psychischer Behandlung weis abere nicht, ob die Frau dort mir Helfen kann.

Deshalb bin ich sehr verzweifelt und evtl. habt Ihr ja Tipps wie ich meine Angstzusände vorm Toilettengang wieder in den Griff
bekomme.
Ach übrigens, die Urologie hat mich komplett auf den Kopf gestellt, Blasenspiegelung, Harndruckmessung, Ultraschall
nichts ungewöhnliches festgestellt, Prostata ist 40 ml. ansonsten meine der Doc. das der Blasenhals etwas verengt wäre aber
er eine Op nicht anraten wird, weil ich noch relativ jung bin.

Ok, das meine Geschichte bis hierhin...ich hoffe Ihr meldet Euch mal daruafhin...
LG Christian

Alex Beisenherz
Medizinischer Experte
Beiträge: 66
Registriert: 9. März 2018 16:19
Wohnort: Mechernich/Eifel

Re: Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

Beitrag von Alex Beisenherz » 27. April 2018 15:09

Hallo Christian,
vielen Dank für deine Vorstellung und Willkommen im Forum! Leider ist der von dir geschilderte Verlauf gar nicht so selten. Dennoch kein Grund zu verzweifeln, es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. Nach meinem Eindruck wirst du um konsequentes Üben nicht umhinkommen. Auch in der Psychotherapie hilft reden alleine nicht weiter. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.
Mein Vorschlag wäre, du schaust dich hier im Forum ersteinmal um, kaufst dir dann auch entsprechende Selbsthilfeliteratur (Lass es laufen/ Hammelstein) oder online-Lernprogramme (z.B Wemingo) und legst dann, wenn Du die Grundzüge der Erkrankung gut verstanden hast mit dem Expositionstraining los. Hierzu wäre auch ein Peebuddy hilfreich. Wenn du dann zum Expositionstraining noch konkrete Fragen hast wie z.B welche Übungen, wie oft etc. helfe ich oder andere hier dir gerne weiter.
Bezüglich des Bauchdeckenkatheters ist es für schwerer Betroffene mit stattgehabtem Harnverhalt eigentlich Standard die Einmalkatheterisierung zu erlernen. Das würde ich auch anstreben. Vorerst würde ich den DK aber drin lassen, bis du mit den Expositionen Fortschritte machst und dich sicherer fühlst. Dann Selbstkatheterisierung lernen, dann DK raus. Es kann sein, dass wenn du gut voran kommst und du dir Einzel-Toilettenkabinen zurückeroberst, du nie wieder einen Katheter brauchst. Dennoch ist es gut zu wissen, wie das geht weil du einfach unabhängiger bist vom medizinischen System.

Also, gutes Ankommen hier und meld dich einfach mit Fragen!
Alex
Alex Beisenherz
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
ärztlicher Psychotherapeut
Verhaltenstherapie, EMDR

johannes
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Wohnort: Berlin

Re: Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

Beitrag von johannes » 30. April 2018 12:17

Hallo Christian,

ich finde es auch super, dass du dich hier einmal vorgestellt hast. Ich habe Alex eigentlich nichts hinzuzufügen. Ich verstehe dich so, dass du öffentliche Toiletten aktuell sehr konsequent vermeidest. Das verstärkt das Problem tendenziell nur und daher sollte dein Ziel mittelfristig sein, dass du diesen Kreislauf der Angst durchbrichst und dich mit der Situation konfrontierst. Dabei geht es dann darum, die Angst auszuhalten und sich langsam wieder an die Situation zu gewöhnen.

Wäre das für dich vielleicht eine Möglichkeit an dem Workshop in Karlsruhe Ende August teilzunehmen? Beim letzten Mal gab es eine Gruppe, die ganz behutsam im Hotelzimmer geübt hat. Das wäre vielleicht ein konkretes Ziel, auf das du dich vorbereiten kannst und ein relativ einfacher Einstieg in das Üben mit Leidensgenossen.

Viele Grüße,
Johannes

Grashalm67
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Beiträge: 2
Registriert: 20. April 2018 10:55

Re: Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

Beitrag von Grashalm67 » 1. Mai 2018 11:50

Hallo Johannes, vielen dank für Deine Rückemldung auf meine Vorstellung.

da ich ja seit längerem einen Bauchkatheter habe, geht es eigentlich schon ganz gut auf den öffentl.
Toiletten...natürlich nur in der Kabine am Pinkelbecken leider nicht...
Mein Problem wird sein, wieder ohne die Sicherheit des Katheters leben und Wasser lassen zu können was ich mir bis dato
noch nicht richtig vorstellen kann.
Einmal hatte ich es versucht, der Bauchkatheter wurde mir entfernt ...leider hatte ich danach ständig Panikatacken und habe
mich wieder öfter auf Toiletten blockiert, sodas ich im Krankenhaus wieder mehrmals in der Uro war um mir mit einmal Katheter
die Blase zu leeren.
Auch mit der Einmalkatheterisierung habe ich schon begonnen und mich aber leider immer wieder verletzt dabei.
Es hat immer geblutet beim Rausziehen des Einmalkatheters...habe dahingehend so etwas das Vertrauen in die Selbskatheterisierung verloren...was meint Ihr...soll ich weiter Probieren..
Karlsruhe ist leider sehr weit weg von mir...ich behalte es mal im Hinterkopf vielen Dank.
Grüße

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Sasha
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Re: Hallo stoße neu dazu, hier mein Leidensweg

Beitrag von Sasha » 7. Mai 2018 16:52

Grashalm67 hat geschrieben:
1. Mai 2018 11:50
Auch mit der Einmalkatheterisierung habe ich schon begonnen und mich aber leider immer wieder verletzt dabei.
Es hat immer geblutet beim Rausziehen des Einmalkatheters...habe dahingehend so etwas das Vertrauen in die Selbskatheterisierung verloren...was meint Ihr...soll ich weiter Probieren..
Ich würde sagen JA.
Hast du mal ne andere Größe probiert? Also vom Durchmesser her?

Das wäre was, was ich noch versuchen würde...wenn ich mich wieder mal trauen sollte. Da gibt es extra Fachleute die zu dir nach Hause kommen und dich beraten können.

Aber ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hatte das auch probiert und es hatte geblutet und dann hatte ich angst überhaupt zu pinkeln (weil es gebrannt hat). Seitdem habe ich es auch nicht mehr versucht.....

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