Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

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johannes
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von johannes » 30. April 2018 12:30

Sasha hat geschrieben:
13. April 2018 14:22
johannes hat geschrieben:
5. April 2018 00:25
Ich möchte auch noch einen Gedanken zur ursprünglichen Frage einwerfen: meine Erfahrung ist, dass Bemühungen in Richtung Konfrontation das Problem verstärken können, wenn man unbeabsichtigt bei der Exposition das eigene Sicherheitsverhalten anwendet. Ein konkretes Beispiel: vielleicht überlege ich mir, in einem ersten Schritt am Arbeitsplatz wieder das Urinal zu nutzen. Intuitiv versuche ich es aber zunächst nur dann, wenn kein anderer da ist .....
Ich werde diese Übung ja steigern müssen. Erst probiere ich es allein mit "Bürogeräusche" und später dann wenn die Kollegen tatsächlich da sind. Schritt für Schritt.
Ich hoffe ich hab dich da jetzt auch richtig verstanden, weil du denkst, dass ich sonst wieder in die Vermeidung gehe.
Jetzt melde ich mich erst völlig verspätet zurück - sorry. Also das schrittweise Vorgehen ist total richtig. Anders formuliert, ging es mir nur darum, dass man sich immer bewusst ist, was man gerade übt. Wenn du üben möchtest, dich auf der Bürotoilette zu entspannen, dann ist dein Vorgehen völlig richtig.

Mein Fehler war damals, dass ich dachte, ich würde das Pinkeln auf einer öffentlichen Toilette üben, aber tatsächlich bin ich ja immer nur auf die Toilette als ganz sicher niemand anderes da war...und das hat mich dann natürlich mit Bezug auf mein Übungsziel nicht weitergebracht, weil es ja letztlich keine öffentliche Toilette mehr war, sondern ich immer alleine war.

Viele Grüße und viel Erfolg!

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Sasha
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von Sasha » 7. Mai 2018 13:57

johannes hat geschrieben:
30. April 2018 12:30
Mein Fehler war damals, dass ich dachte, ich würde das Pinkeln auf einer öffentlichen Toilette üben, aber tatsächlich bin ich ja immer nur auf die Toilette als ganz sicher niemand anderes da war...
Heißt das, es ging damals bei dir auch dann nicht, wenn du allein auf einer öffentlichen Toilette warst?

So hat das bei mir letztes Jahr noch funktioniert z. B. im Fitnessstudio....


Es ist echt schwierig nicht aufzugeben. Die Gefühle verändern sich ständig.
An manchen Tagen habe ich das Gefühl dass ich mich innerlich lockere (und z. B. auch Harndrang auf Toilette verspüre), an anderen Tagen ist von Anfang an kein Harndrang spürbar.

"Ich weiß dass mich diese Übung weiter bringen wird" .... Hm .... :( Tut es das? Momentan hab ich nicht das Gefühl.
Ich wünschte ich würde die Angst SPÜREN, dann könnte ich immerhin versuchen dieses Gefühl in den Griff zu bekommen. So spüre ich gar nichts und frage mich automatisch "was ist nur los mit dir?" ...

Ich weiß auch nicht ob eines der Übungen VOR meiner Mittagspause ratsam ist. Mein erster Gedanke ist: "Angenommen du könntest jetzt sogar pinkeln. Dann musst du aber umso länger "aushalten" bis du Feierabend hast. Wer sagt, dass du in zwei Stunden wieder auf dem Büroklo pinkeln kannst?" ... Also halte ich unbewusst sowieso an....

Die Übung Richtung Feierabend zu verschieben halte ich für sinnvoller.

Alex Beisenherz
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von Alex Beisenherz » 8. Mai 2018 21:14

Es ist echt schwierig nicht aufzugeben. Die Gefühle verändern sich ständig.
An manchen Tagen habe ich das Gefühl dass ich mich innerlich lockere (und z. B. auch Harndrang auf Toilette verspüre), an anderen Tagen ist von Anfang an kein Harndrang spürbar.

Hi Sasha,

"Ich weiß dass mich diese Übung weiter bringen wird" .... Hm .... :( Tut es das? Momentan hab ich nicht das Gefühl.
Ich wünschte ich würde die Angst SPÜREN, dann könnte ich immerhin versuchen dieses Gefühl in den Griff zu bekommen. So spüre ich gar nichts und frage mich automatisch "was ist nur los mit dir?" ...

o.k. "Was ist nur los mit mir?" ist ein typischer Angstgedanke, daher gehe ich davon aus, dass die Übung Angst in dir auslöst, dass du diese aber nicht so spürst wie du vielleicht andere Formen von Angst spürst. Selbst, wenn du die Angst spüren würdest ist der Ansatz, dass du die Angst in den Griff bekommen mußt nach meinem Eindruck zu aktiv. Du must die Angst nicht in den Griff bekommen. Die Angst wird von alleine gehen, wenn sie merkt, dass du dein Verhalten nicht nach ihr ausrichtest.

Ich weiß auch nicht ob eines der Übungen VOR meiner Mittagspause ratsam ist. Mein erster Gedanke ist: "Angenommen du könntest jetzt sogar pinkeln. Dann musst du aber umso länger "aushalten" bis du Feierabend hast. Wer sagt, dass du in zwei Stunden wieder auf dem Büroklo pinkeln kannst?" ... Also halte ich unbewusst sowieso an....

Hier beschreibst du weitere Angstgedanken, du gehst sogar davon aus, dass diese Angstgedanken dich blockieren. Somit erfüllt die Übung weiterhin den Zweck einer Expositionsübung. Ich verstehe nicht warum das pinkeln auf dem Büroklo, dazu führen muß, dass du länger aushalten mußt? Ich gehe davon aus, dass anfangs eh nur wenige Tropfen kommen werden. Somit ist es natürlich sinnvoll, dass du ZUSÄTZLICH nach Hause pinkeln gehst. Erst wenn zu Hause dann kaum noch was kommt, weil der überwiegende Teil im Büro geblieben ist, solltest du dich vom Aufsuchen der sicheren Toilette zu Hause entwöhnen.

Die Übung Richtung Feierabend zu verschieben halte ich für sinnvoller.
[/quote]

Sehe ich anders. Ich finde alles läuft nach Plan. Du übst täglich und deine Gefühle verändern sich ständig, was normal für diese Phase der Therapie ist.
Das Verschieben der Übung Richtung Abend würde eine Angstminderung bedeuten und ist somit nicht zielführend für die Angstbewältigung (Ich weiß, dass ist wirklich schwierig zu verstehen, aber das ist das Expositionsprinzip: Alles was du machst um kurzfristig Angst zu senken ist per definitionem VERMEIDUNG. Vermeidung ist der Prozess der hauptsächlich für die Chronifizierung der Angsterkrankung verantwortlich ist).
Wenn du schnellere Erfolge im Sinne von Pinkeln-können brauchst, kannst du natürlich die Übung Richtung Feierabend verschieben. Vermutlich wirst du hier früher pinkeln können. Erinnere dich aber auch daran, dass wir die Übung entworfen haben, damit du dich in Geduld übst und an deinen selbstkritischen Gedanken arbeitest und an die Angst adaptierst. Die Übung war als Exposition und nicht als Pinkelübung gedacht. Den Unterschied der beiden hat Serfling gut an anderer Stelle erklärt.

Vielleicht helfen diese Hinweise ja, deine Zweifel etwas zu besänftigen. Frag ruhig weiter nach und halte den Thread hier aktiv. Ich bin sehr interessiert daran, wie es bei dir weitergeht.

Alex

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Sasha
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von Sasha » 14. Mai 2018 12:16

Alex Beisenherz hat geschrieben:
8. Mai 2018 21:14
o.k. "Was ist nur los mit mir?" ist ein typischer Angstgedanke, daher gehe ich davon aus, dass die Übung Angst in dir auslöst, dass du diese aber nicht so spürst wie du vielleicht andere Formen von Angst spürst. Selbst, wenn du die Angst spüren würdest ist der Ansatz, dass du die Angst in den Griff bekommen mußt nach meinem Eindruck zu aktiv.
Ok... Es ist einfach verwirrend wenn man nichts spürt oder denkt und trotzdem.... :(

Der Ansatz ist zu aktiv?
Alex Beisenherz hat geschrieben:
8. Mai 2018 21:14
Hier beschreibst du weitere Angstgedanken, du gehst sogar davon aus, dass diese Angstgedanken dich blockieren. Somit erfüllt die Übung weiterhin den Zweck einer Expositionsübung. Ich verstehe nicht warum das pinkeln auf dem Büroklo, dazu führen muß, dass du länger aushalten mußt?
Mein Chef weiß nicht was ich habe.
Ich darf natürlich mal nach Hause gehen während der Arbeitszeit, aber mir wäre es unangenehm wenn ich 2 oder gar 3x nach Hause laufen müsste. Ich frage mich eh, ob ich den Chef einweihen sollte... Aber das wäre mir mehr als unangenehm.
Deshalb halte ich während meiner Pause zu Hause so lange an, bis ich wieder zur Arbeit muss und versuche dann bis zum Feierabend durchzuhalten.
Würde ich also beispielsweise um 12.30 Uhr im Büro pinkeln können, müsste ich bis 17/18 Uhr aushalten....
Gehe ich um 13.20 Uhr beispielsweise habe ich fast eine Stunde Zeit gewonnen....
Alex Beisenherz hat geschrieben:
8. Mai 2018 21:14
Ich gehe davon aus, dass anfangs eh nur wenige Tropfen kommen werden. Somit ist es natürlich sinnvoll, dass du ZUSÄTZLICH nach Hause pinkeln gehst. Erst wenn zu Hause dann kaum noch was kommt, weil der überwiegende Teil im Büro geblieben ist, solltest du dich vom Aufsuchen der sicheren Toilette zu Hause entwöhnen.
:? Das wäre der Plan.
Aber momentan kommt ja nicht mal ein Tropfen. Es geht ja auch noch nicht darum zu pinkeln bei den Übungen.
Alex Beisenherz hat geschrieben:
8. Mai 2018 21:14
Sehe ich anders. Ich finde alles läuft nach Plan. Du übst täglich und deine Gefühle verändern sich ständig, was normal für diese Phase der Therapie ist.
Das Verschieben der Übung Richtung Abend würde eine Angstminderung bedeuten und ist somit nicht zielführend für die Angstbewältigung.
Gut, dann werde ich es nicht mehr auf den Feierabend verschieben! :wink:

Alex Beisenherz hat geschrieben:
8. Mai 2018 21:14
Vielleicht helfen diese Hinweise ja, deine Zweifel etwas zu besänftigen.
Absolut! Ich danke dir für deine Meinung und deine Zeit! : )

Noxx
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von Noxx » 16. Mai 2018 13:27

Hallo, mich gibt es auch noch. :D

Die Konfrontation hat mir sehr geholfen, ich sehe mich zu 95% als "geheilt".
Ich möchte an dieser Stelle einfach noch einmal an meine Beiträge (Umfragen/Hat's schon jemand von Euch geschafft) verweisen.
Ist schon 10 Jahre her :shock: , Wahnsinn wie die Zeit vergeht.

Ich schaue nur noch selten hier rein, wünsche Euch allen viel Erfolg.

Liebe Grüße, Noxx

L.
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Re: Verschlimmert Konfrontation die Paruresis nicht? Denn...

Beitrag von L. » 21. Mai 2018 22:47

Guten Abend,

zu dem Thema kann ich auch noch meine Erfahrungen einbringen, die ich vor allem im letzter Zeit gemacht habe.
Bei mir war es auch so, dass, in der Zeit, in der niemand aus meinem Freundeskreis (der leider ohnehin immer sehr klein oder überhaupt nicht vorhanden war, was mein Selbstvertrauen allgemein nicht gerade gesteigert hat) etwas davon wusste und ich es immer nur allein tun und damit auch konfrontieren musste, keine wirklichen Erfolge damit eingefahren habe. In diesem Falle habe ich die "Konfrontation im Alltag" auch nicht geholfen, sondern mich eher entmutigt - in der Schule war bei mir natürlich auch nichts mit wirklich entspannt an die Sache heran gehen, wenn man eine doch eher schwache Blase hat und muss, dann muss man und bekommt sonst ein Problem.
In der Zeit, in der ich zumindest davon gesprochen habe, wenn auch noch nicht groß was daraus geworden ist, es praktisch zu probieren, hat es sich über die Zeit (mittlerweile sind es fast vier Jahre) zumindest verändert. Es ist mir nicht direkt spürbar, weil ich immer noch Sorge habe, wenn andere Personen da sind, aber irgendwo muss ich mir eingestehen, dass mir inzwischen Situationen möglich sind, die ich noch vor vier Jahren niemals geschafft hätte und der psychische Druck, den man spürt, dementsprechend auch abgenommen hat.
Und wenn man das beste Szenario anwendet und die Chance hat, einen guten Freund mitzunehmen, der von dem Thema weiß und dem auch was daran liegt, einem zu helfen, dann kann Konfrontation durchaus auch sehr sehr positive Auswirkungen haben. Leider gab es bei mir nur sehr wenig Situationen dieser Art, aber umso erstaunlicher ist, dass ich dennoch Erfolge einfahren konnte. Das erste mal, dass ich die Chance hatte, war, als ich mit einem Freund wandern war und wir im Wald waren. Ja, ich muss mich jetzt outen, aber mit schwacher Blase ist das zumindest für mich manchmal ziemlich schwer, zu warten, bis wieder ein Klo in Sicht ist. Ich habe es einfach mit ihm direkt neben mir probiert, und wenn ich merkte, es wird unerträglich, wieder ein paar Minuten gewartet und es wieder versucht. Und obwohl ich beim ersten Mal noch ein absolut unmögliches Gefühl hatte - ich habe dann einfach ohne Druck versucht, mich an die Situation allein zu gewöhnen und beim vierten oder fünften Mal hatte ich plötzlich überhaupt keine Hemmungen mehr. Leider hatte ich keine Chance, das nochmal in dem Rahmen auszutesten, es war dann immer eher "mal zwischendurch konfrontiert", und dass das nicht klappt, ist ja eigentlich klar und auch nicht niederschmetternd.

Was ich damit sagen will, ist einfach, dass es nicht nur auf die eigene Auslegung, sondern auch auf die Art der Konfrontation ankommt. Wenn man die richtige Person und viel Zeit hat, kann man damit durchaus auch sehr gute Erfahrungen machen, da muss ich allen Mut machen :D

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