Kleine Schritte - und doch sichtbar

Zum Eintragen positiver Erlebnisse und Fortschritten

Moderator: SimoneH

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Benny48
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Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Hallo,
ich dachte mir, da es wohl noch etwas dauert bis zu meinem großen Erfolgsbericht...

Der Weg zur Freiheit ist recht lang und besteht aus vielen kleinen Schritten.
Lange hat mich das vom Anfangen abgehalten resp. ich wollte es nicht wahrhaben.

Auch, weil es in meinem Leben schon verschiedene Hochs und Tiefs damit gab (manchmal konnte ich am Urinal entspannen unter 100 Voraussetzungen, manchmal musste ich in ein anderes Stockwerk, ins Häuschen, mit Sitzen und ohne jedes Geräusch zu verursachen).

Nun sehe ich, dass jedes "ich bin mal ganz vorsichtig" mich von der Freiheit wegführt.
Jedes ui, das würde ich jetzt nicht sofort wollen - ich tue es aber trotzdem bringt mich weiter.

Dabei halte ich mir aber vor Augen, dass ein von 0 auf 100 nichts bringt oder kontraproduktiv ist.
(Ich laufe 10km, hin und wieder einen Halbmarathon. Dort habe ich gelernt: laaaangsam anfangen und kontinuierlich steigern UND dranbleiben führt zum Erfolg. Von heute auf morgen volle Pulle loslaufen führt zu Muskelkater, Verletzung und Frustration).

Ich habe nun gelernt auch bei meinen Paruresis Übungen die kleinen Fortschritte zu sehen:
- Kein Selbstbetrug mehr (z.B. Ein Urinal genau ausspionieren und wenn dann sichergestellt ist, dass zu 120% niemand dort ist oder reinkommt reingehen - und das ganze als großen Erfolg abzuhaken)
- Genießen, dass durch die häufige Benutzung durch die absichtlichen Übungen die öffentlichen Urinale kein "geheimer, unbekannter und gefährlicher" Ort mehr sind - sondern einfach nur das. Orte zur Befriedigung der natürlichsten Bedürfnisse.
- Kleine Erfolge mit einem Grinsen feiern, wenn ich etwas geschafft habe, was die anderen gar nicht wahrnehmen und einfach Stolz sein.
- Leuten davon erzählen (nicht überall und allen - aber meine Frau weiß es und wundert sich nicht über meine Aktionen, ein paar enge Freunde ebenso)

Kleine Schritte - ich feiere sie, trau mich an größere, bin manchmal enttäuscht und bleibe weiter dran.

Update folgt.
Benny
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Benny48
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Sooo, nachdem ich immer wieder kleine Erfolge gefeiert habe (U-Bahn WCs ohne zu warten und abzuschätzen, div. Restaurants, wenn auch wenig besucht; in diversen Einkaufszentren) gestern meine Level 10 Situation: Volles Restaurant und Essen mit Kumpels.
Long Story short - es lief nicht ;-) Bin dann etwas enttäuscht in die Kabine aber ohne hinsetzen (beim stehen habe ich immer ein schlechtes Gewissen, weil man ja unter den unangenehm hohen Lücken zwischen Boden und Trennwand durchsehen kann und sieht, dass ich drin stehe)

Damit habe ich zwar mein vollständiges Ziel nicht erreicht (war schon etwas enttäuscht) aber zumindest in der Kabine bin ich nicht in die völlige Vermeidung gegangen.
Also zurück und eine etwas leichtere Übung...
Das habe ich heute ein paar Mal getan :-) :-)
HaH
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von HaH »

Hallo Benny,
vorab - ich finde das echt klasse, dass du unbeirrt die Beiträge schreibst obwohl leider nicht viel Resonanz kommt. Die meisten - zugegeben auch ich - schauen nur ab und zu auf der Plattform vorbei (bei mir ist das 1x wöchentlich) und schreiben nicht viel oder gar nicht. Aber du hattest ja auch angemerkt, das du einen Anreiz geben möchtest für die vielen passiven Besucher.
Ich finde das mit den kleinen Schritten genau richtig. Genau so waren die Übungen im Workshop auch aufgebaut, genau so wird es auch im Buch "Lass es laufen" beschrieben. Man sucht sich erst ein Level, der soeben noch machbar ist und steigert dann den Schwierigkeitsgrad.
Ich möchte jetzt von meinem größten Erfolgserlebnis berichten. Und das war tatsächlich beim vergangenen Workshop in Wien. Hier haben wir paarweise die Übungen mit steigendem Anspannungslevel durchgezogen. Da alle eigentlich locker drauf waren und wir dabei sogar unseren Spaß hatten, waren wir dort wirklich teilweise entspannt und es war mir bei der letzten Übung sogar möglich im Beisein mehrerer Personen an den Urinalen ohne Trennwände und zusätzlichen Personen im Raum zu urinieren. Das war so ein Aha-Erlebnis - ich kann mich nicht zurückerinnern, das ich das in den letzten 40 (Leidens) Jahren hingekriegt habe. :!:
Der Vollständigkeit halber will ich aber auch berichten, das der Alltag mich längst wieder eingeholt hat. :? Soll heißen, es gibt gute und es gibt eher schlechtere Tage. Mal klappts besser und mal nicht. Seit dem Workshop habe ich aber keine Skrupel oder Bedenken oder schlechtes Gefühl mehr in eine Kabine zu gehen.
VG Johannes
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Benny48
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Hallo Johannes,
Danke für Deine Nachricht und die Ermutigung.
Ich habe auch ein paar PMs bekommen und beantwortet.
Danke auch Euch!
Ich schreibe hier einfach weiter. Für mich (ja, da bin ich egoistisch 😉) für meine Brieffreunde hier und für etwaige Mitleser und Neuankömmlinge - wir sind still, aber es gibt uns 😀

Wichtige Erkenntnisse:
- Der Weg ist laaaange dafür mit vielen kleinen Erfolgen und einigen kleinen Rückschlägen gepflastert.
- Von zweiteres aber nicht entmutigen lassen, denn am Ende haben wir mit Allem gute und schlechte Tage.
- UND auch beim geplanten Training geht man die Schwierigkeitsstufen kontinuierlich nach oben, bis es nicht mehr geht. Dann ein Schritt zurück. Und dann von dort weiter.
- Wichtig ist, nicht aufzugeben, auch wenn die Erfolgskurve Aufs und Abs hat. Die Gesamttendenz ist richtig. (Ähnlich wie beim Abspecken, was ich btw. Auch gerade tue 😀)

Auch, wenn der Donnerstag nicht perfekt war, hüstel, :
Bin seit gestern in Berlin und mein Tripp war gepflastert von Erfolgen:
Flughafen München
Flughafen Berlin
Mall of Berlin
Hotel Ritz (wenn schon, denn schon)
Mein Hotel (nicht ganz das Ritz, aber auch schön 😀)

Immer Urinal, auch mit anderen Personen, manchmal ohne Sichtschutz.
Und immer ohne Vorsichtsmaßnahmen "ist gerade jemand rein oder raus...."

Heute in meinem in meinem Hotel meine 9 von 10:
Auf dem Weg zum Klo fragt ein Mann nach dem Weg dorthin. Habe mich kurz mit ihm unterhalten und bin mit ihm rein (eigentlich Panikmodus bei mir). Er ist freundlicherweise in den Stall gegangen und ich habe es ohne großes Nachdenken einfach laufen lassen.

Letzte Erkenntnis:
Eine gut gefüllte Blase macht es mir leichter als nur der Übungszwecke willens ohne echtes Bedürfnis zu gehen.

Liebe Grüße aus de Hauptstadt
Benny
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Benny48
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Habe mich bei einem befreundeten Pärchen "geoutet".
Großes Gelächter.
Er hat das gleiche Problem (etwas leichterer Level) - und sie weis darüber Bescheid :-)

Ich habe für mich festgestellt. Der Pee Buddy, den ich suche, sollte ein Fremder sein - die Vorstellung mit einem Freund - daslässt mich vollständig peinlich berührt zurück. Schräg, ich weiß...

einen schönen Abend...
Jupp
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Jupp »

Hallo Benny,
nein, das ist nicht schräg. Die Vorstellung, mit einem Freund zusammen "pinkeln zu üben" ist sicherlich komisch. Und den Freund darauf anzusprechen sicher eine große Überwindung. Aber jetzt weiß er doch eh Bescheid! Und sogar eure Frauen sind eingeweiht, es müssen also keine Ausreden erfunden werden, wenn euch zum Pinkeln üben treffen wollt. Die Suche nach dem "idealen" Peebuddy ist nicht leicht und manchmal muß man auch nehmen, was man kriegen kann. Nach dem ersten Schreck hast du vielleicht doch schon deinen Peebuddy gefunden. Das wirklich peinliche ist doch, darüber zu reden. Das habt ihr schon getan, jetzt könnt ihr es auch ausprobieren.
Liebe Grüße und viel Erfolg
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Benny48
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Kleine Schritte gehen weiter. Der Weg ist noch weit. Die Fortschritte halte ich aber weiter fest.
Bei meiner Ärztin gibt es natürlich eine Toilette. Natürlich direkt am Wartezimmer. Jeder sieht, wer reingeht und es ist nicht geräuschisoliert.
Da gehe ich jetzt immer und achte darauf, auch richtig Krach zumachen :-)
Im Sportstudio - auch so ein Klassiker. Die Toilette ist ohne Vorraum direkt an der Umkleide (die Waschbecken sind in der Umkleide). a) hält man die ganze Zeit die Leute, das Kommen und Gehen. UND nach dem Sport habe ich häufig das Gefühl, ich müsste aber die Blase ist nicht wirklich richtig voll. Heute nach dem Sport gegangen, hat ohne Anlaufschwierigkeiten geklappt. Aber, besonders interessant. Meine Gedanken waren völlig woanders (wahrscheinlich auch weil mein Blut in den Beinen war und ich völlig fertig war.)
(Lag u.U. auch daran, dass ich in der Früh im Stall beim Stuhlgang (kacken - sorry, ein Kumpel hier hat gemeint, ich darf die Dinge ruhig richtig beim Namen nennen :-) ) war und währenddessen die Reinigungsdame das Klopapier aufgefüllt hat und sich währenddessen nett mit mir unterhalten hat :-) :-) :-)

Und zu guter Letzt: Ich habe ja letzte Woche so ein "Social Freedom" Ding mit Leuten aus einem anderen Coaching durchgezogen (Dinge tun, die einem peinlich sind, damit man lernt a) es ist allen anderen Menschen egal, was man tut und b) die Welt geht nicht unter, egal wie peinlich). Das habe ich heute mit meiner Frau in der Wirtschaft gemacht (also ich und meine Frau hat sich einen abgelacht, weil ich alter Kasperl zur Toilette gehüpft bin). Dort war es dann sehr entspannt und das Pinkeln lief ohne langes nachdenken.

Einzige Krux, wenn man das überhaupt sagen kann, es ist halt nicht steuerbar laut Schwierigkeitsstufen - die Toiletten waren halt leer zu dem Augenblick (ich habe es nicht abgepasst und nicht darauf geachtet - sie hätten auch komplett voll sein können).

Langsam aber stetig...
In diesem Sinne ein schönes Wochenende
Benny
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Benny48
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Re: Kleine Schritte - und doch sichtbar

Beitrag von Benny48 »

Nachtrag: Mein liebe Frau hatte noch Schoki Heißhunger und ich habe sie gerettet (Supermarkt). Ideal um noch kurz die Toilette der U-Bahn zum Üben zu verwenden :-)
Die Sauerei dort zwang mich zu einigen artistischen Verrenkungen.
- Erkenntnis: das macht mir das loslassen beim Pinkeln schwerer (sowie auf dem Schiff, im Zug und im Flugzeug sowie auf wankenden/federnden Holzboden (Oktoberfest ;-) )
---> da werde ich mal versuchen etwas zu üben daheim (mit der linken Hand den Penis zum zielen halten, einbeinig, im Kopfstand :-) )

Auf dem Weg dahin kamen mir einige unbeteiligte Männer entgegen.
- Erkenntnis: Der Gedanke, mit Ihnen aufs Klo zu gehen hat mich tatsächlich eingeschüchtert. Da ist der unterbewusste Gedanke: das sind richtige Männer, die können und ich kann das nicht als kleines Buberl. Ich armes kleines Hascherl, ich.

Als ich schön dabei war auf dem einzel Urinal kam hinter mir jemand und schon lies der schöne satte Strahl nach.
ok blöd, ein Neustart auch nicht möglich.
Dann bin ich halt von Dannen geschlichen.
ABER ich bin zurückgekehrt (Wenn man vom Pferd fällt, soll man ja sofort wieder aufsteigen) obwohl der Weg nach Hause nur ein paar Schritte gewesen wären.
HAHA! :-P

Servus
Der KleineSchritteKünstler
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