Große Ängste auf der Arbeit

Hier gibt es alles zum Thema psychische Entleerungsstörung
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Sibiu
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Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sibiu » 9. März 2021 12:00

Hallo
Ich bin 57 Jahre alt , männlich und leide schon seit ich denken kann an Paruresis Ich war immer schon der schüchterne und zurückhaltende Typ mit wenig Selbstwertgefühl. Litt zwischenzeitlich auch schon unter Depressionen und generalisierter Angststörung. Ich weiss aber bis heute nicht so recht was der Auslöser für meine Pinkelängste sind. Ich würde behaupten das ich den Grad 8 von 10 besitze, soll heissen:
- Pinkeln am Urinal mit anderen geht gar nicht
- Am Urinal wenn ich alleine bin auch nicht aus Angst es kommt jemand herein.
- Im Sitzen in der Kabine wenn jemand anderes da ist, geht nicht. ( Angst gehört zu werden)
- Abgeschlossener einzelner Raum wie im Flugzeug oder Bahn geht.
Ich brauche also einen sicheren geschützten Ort um überhaupt zu können, so wie die meisten hier. Im Laufe meines Lebens lies ich mir immer wieder Dinge einfallen um zu verhindern das andere Leute dies mitbekommen. Bei Hochzeiten oder sonstigen Treffen in Gaststätten oder Hallen verschwand ich meist nach draussen ins Freie mit der Ausrede mal frische Luft zu schnappen und pinkelte ins nächste geschützte Gebüsch oder hinter eine Mauer auch wenn ich lange suchen musste.
Ansonsten meide ich Situationen in einer Gruppe bei Wanderungen oder Ausflügen, bei denen ich weiss das es zu lange dauert. Im Berufsleben und den 6 Firmen in denen ich gearbeitet habe sieht die Sache noch schlimmer aus, hier ist meine Paruresis besonders ausgeprägt. In der ersten Firma habe ich Glück gehabt in der Mittagspause nach Hause fahren zu können . In der zweiten war die Klosituation so ,daß die Kabinen (10 Stk) vorne und die Urinale hinten im Raum waren und mir so ein Stück Anonymität gab. Bei den anderen Firmen sah ich entweder zur Klotür und passte den Moment ab wo keiner auf dem WC war, oder es gab sogar in der Firma ein Einzelklo zum abschließen. Es war aber immer ein ständiges sondieren und abchecken der Lage, die einem eine gewisse Lockerheit nimmt , und sich die Gedanken ständig um diese Problematik drehen. Das macht einen fertig. Hinzu kommt noch das bedingt durch eine Proststavergrößerung bei mir das Wasserlassen nicht mehr so gut geht wie früher und die Blase nicht immer vollständig entleert wird, sodass ich öfters muss. Auch Zuhause brauche ich durch dieses Problem immer etwas Zeit.
Nun ist es jedoch so, daß ich bei einer neuen Firma anfangen werde, bei der die Klosituation der Albtraum schlechthin ist. Mein Arbeitsplatz lässt eine Sicht zum Ausgang in die Sozialräume in der sich auch das WC befindet nicht zu. Das WC selber hat 3 Kabinen mit Trennwänden unten und oben offen, 3 Urinale ohne Trennwand, ein Waschbecken und das alles bei Totenstille !!! Benutzen werden dies etwa 12 Männer. Pause machen alle zur gleichen Zeit, sodass dann bestimmt gewisser„Andrang“ auf dem Klo herrscht. Ich weiss jetzt schon das ich da riesige Probleme bekommen werde. Ich fange dort erst in ein paar Tagen an, aber ich habe jetzt schon schlaflose Nächte und bekomme riesige Angst was da auf mich zukommt.
Hat jemand die gleiche Situation und wie geht ihr damit um? Danke für jeden Tip
Viele Grüsse an alle geplagten da draussen.

HaH
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von HaH » 9. März 2021 19:25

Hallo Sibiu,

willkommen im Forum. Wundere dich nicht, wenn du nicht all zu viel Resonanz hier bekommst. Zur Zeit ist es sehr ruhig hier.
Der von dir beschriebene Leidensweg ist ganz sicher den meisten hier bekannt - so auch mir. Tipps mit dem Umgang von Paruresis bei der Arbeit gibt es da eine Menge. Zunächst geht es darum, die Ängste in den Griff zu kriegen. Erlaube dir ruhig auch ganz offensichtlich zum Beispiel in der Mittagspause in eine Kabine zu gehen und dich da in Ruhe niederzulassen. Bei 12 Personen wird so ein reger Verkehr in einer Mittagspause nun auch nicht sein. Es bleibt ganz sicher genug Zeit. Man wird übrigens gar nicht so sehr beobachtet wie man denkt bzw. befürchtet. Die meisten sind mit sich selbst bzw. mit anderen Dingen beschäftigt. Darfst du außerhalb der Pausen nicht die Toilette aufsuchen? Sonst würde ich mir im ersten Ansatz andere Zeiten zusätzlich aussuchen und rechtzeitig zum Urinieren auf die Toilette gehen. Wenn es nicht klappt, schaust du halt in einer Stunde wieder vorbei.
Du wirst sehen, es findet sich immer zwischendurch eine Möglichkeit mal die Toilette aufzusuchen. Ist diese gerade besucht kann man zum Händewaschen vorbei schauen.
Als zweites würde ich mir das Buch "Lass es laufen - ein Leitfaden zur Überwindung der Paruresis" von Philipp Hammelstein besorgen und es studieren. Viele nützliche Tipps findest du hier auf dieser Seite und speziell in den Foren. Du wirst dann sicher lernen, entspannter mit dem Thema umzugehen und bestimmt nach und nach Versuche unternehmen z.B. durch Übungen die Kabine zu verlassen und durch Expositionsübungen den Ängsten zu begegnen um vielleicht letztendlich die Paruresis zu überwinden.

Ein Zitat: "Ich habe viele Katastrophen erlebt - die wenigsten sind eingetroffen"

Nur Mut!

VG HaH

Sibiu
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sibiu » 10. März 2021 10:57

Hallo HaH
Vielen Dank erstmal für dein schnelles Feedback.
Ja ich muss da nächste Woche anfangen, und würde am liebsten wieder absagen wegen der Klosituation.
So schlecht gings mir noch nie, da ich keine andere Ausweichmöglichkeit sehe wie dieses WC.
Bei mir hat sich die Paruresis so manifestiert, das kein anderer im Raum sein sollte, und ich meine absolute Ruhe brauche damit es überhaupt läuft, ausser wenn die Geräuschkulisse von Maschinen, Verkehr ect. sehr hoch ist.
In diesem Fall wie gesagt ein totenstilles Klo.
Ich möchte auch sagen das ich es nicht schlimm finde nicht ans Pissoir stehen zu können, damit habe ich mich mittlerweilwe abgefunden, aber wenn es selbst in der Kabine bei Anwesenheit anderer nicht klappt, bin ich den ganzen Tag unruhig, fahrig und hab bereits Angst vorm nächsten Tag.
Eine Therapie kommt für mich nicht in Frage da ich für Therapieplätze weit fahren müsste, und die Erfolgsaussichten bei mir eher gering sein werden.
Ich hatte allerdings auch mal nen Kollegen der immer in die Kabine ging zum pinkeln und der die Tür offengelassen hatte aber echt pinkelte mit der Aussage er wäre zu klein fürs Pissoir (er war ca. 165cm groß). Wenn ich wenigstens das könnte.
Einfach rein in die Kabine egal wer da ist, Hose auf und laufen lassen, das wäre doch so einfach.
Ich muss mich noch 5 Jahre durchquälen bis zur Rente, in die ich so früh wie möglich gehen möchte.
Wenn ich Pensionär bin, wäre die Paruresis für mich nicht so hart. War jetzt auch ein paar Monate arbeitslos , hatte kein Problem damit weil es zuhause immer klappt. Aber jetzt gehts wieder los.
Ich habe mir aber schon Dinge zurechtgelegt die im Notfall greifen könnten.
Ich gehe alle paar Stunden mal aufs Klo und checke die Lage, wenn jemand da ist versuche ich in der Kabine mit einer kleinen Wasserflasche Pinkelgeräusche zu simulieren . Ansonsten wenn die Bahn frei ist versuchen wasserzulassen.
Sollten alle Stricke reissen wäre ich sogar bereit, in der halbstündigen Pause den Betrieb mit dem Auto zu verlassen und irgendwo im Freien ein Pläzchen zu suchen. Kollegen wären dann allerdings verwundert wo ich den ständig hinfahre.
Was meinst du?
VG sibiu

johannes
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von johannes » 10. März 2021 23:34

Hallo Sibiu,

ja, was du beschreibst können alle hier nachvollziehen. Und auch dass die aktuelle Situation (nach Arbeitslosigkeit wieder mit einer Bürotoilette konfrontiert zu sein) dir besonders zu schaffen macht.

Ich kann HaH nur beipflichten und denke auch, dass das Buch von Philipp Hammelstein dir schon etwas helfen könnte. Allgemein kann ich dir nur Mut machen, dass du auch nach langer Leidenszeit noch an dem Problem arbeiten kannst und wenn du nur auf der Skala von 8 auf 6 oder 7 runterkommen kannst, ist es das doch schon wert. Also z.B. wirklich das Buch lesen, die eigenen Ängste aufschreiben und hinterfragen (gibt es auch Anleitungen zu in dem Buch) und später dich mit der Toilette im Büro konfrontieren, z.B. hingehen und einfach 10 Minuten in der Kabine bleiben und merken, dass es keinen interessiert hat. Wenn du dann beim nächsten Mal hingehst und weißt, ok, ich habe Zeit und kann zur Not auch warten bis Kollegen weg sind, wäre das doch schon ein großer Schritt...ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, aber vielleicht kannst du so einen Weg finden mit der Toilette umzugehen ohne sie durch großen Aufwand immer zu vermeiden. Ich wünsche dir nen guten Start und hoffe, der Job macht Spaß, auch wenn du dadurch wieder mit der Paruresis zu kämpfen hast.

Viele Grüße,
Johannes

Rolf
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Rolf » 14. März 2021 18:42

Hallo Sibiu,

Johannes hat natürlich recht, man kann immer was machen. Den Typ, der auf der offenen Box gestrullt hat, wegen seiner Körpergröße, den hättest du dir krallen können. Der hätte dir vermutlich gut getan. Sowas weiß man meist immer hintendrein. Aber die Gelegenheit kommt wieder…

Was die anderen über dich denken kann dir egal sein, meist nehmen dich die Leut eh net wahr. Dass sich jemand für die Befindlichkeit seiner Mitmenschen interessiert, ist eher selten. Aber einer, der dich ständig unbestechlich beurteilt, den bringst du nicht zum Schweigen: Das bist du selber. Früher haben sie uns den Selbstwert rausoperiert, den kriegen wir nicht mehr wieder. Es bleibt nur übrig, das zu erkennen und zu akzeptieren. Und aus dieser Situation jeden Tag ein klein wenig neu gewinnen…

Was es nicht gerade einfacher macht, ist diese gesch… Drüse. Viele Türken kauen den ganzen Tag lang auf Kürbiskernen rum – da krieg ich den Föhn! Aber vermutlich wissen die, warum. Inzwischen habe ich die ganze Reihe Tablettchen durchprobiert und bin bei einer Sorte hängen geblieben. Die funktionieren und sind verträglich (für mich) und ich merke es gleich, wenn ich die Einnahme vergesse. Kannst du vlt. versuchen.

LG Rolf

Sibiu
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sibiu » 17. März 2021 19:55

Hallo Rolf
hast du unter anderem auch Probleme mit der Prostata?
Welche Tabletten meinst du?

Jupp
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Jupp » 20. März 2021 14:14

Hallo Sibiu,

du schreibst, daß du bei Hochzeiten und ähnlichen Treffen immer eine Möglickeit gefunden hast, draußen an Büschen oder Mauern zu pinkeln. Gibt es diese Möglichkeit vielleicht auch an deinem neuen Arbeitsplatz in Fußweite, ohne daß du mit dem Auto wegfahren müßtest?
Ansonsten findest du vielleicht irgendwo im Gebäude abgelegene Räume, wo du ungestört zB. in ein Waschbecken oder einen Abfluß pinkeln kannst.
Wenn du nur einen Raum ohne Kanalisationsanschluß findest, wo du ungestört bist, könntest du eine mitgebrachte leere Flasche benutzen. Die mußt du nur halt anschließend unauffällig entsorgen.

Rolf
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Rolf » 21. März 2021 15:18

Sibiu hat geschrieben:
17. März 2021 19:55
Probleme mit der Prostata?
Du hast eine PN

Sibiu
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sibiu » 25. März 2021 18:04

Hallo Jupp
Hab in meinem Betrieb jetzt doch noch ein Klo gefunden in dem der Geräuschpegel durch eine Luftumwälzung relativ hoch ist, so dass ich keine Probleme habe zu pinkeln.
In dem Klo sind unter anderem 4 Urinale mit Trennwand so dass ich sogar da kann wenn niemand da ist, und der Blasendruck relativ hoch. Ansonsten gehe ich in Kabine. Wie gesagt Klimaanlagengeräusche sind so hoch, das man kaum Pinkelgeräusche hören kann.
Eine riesen Erleichterung für mich wenigstens auf der Arbeit.
LG Sibiu

Sibiu
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sibiu » 25. März 2021 18:11

Und Danke Rolf für deine PN und deinen Tip
LG Sibiu

Jupp
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Jupp » 27. März 2021 15:39

Hallo Sibiu,
ich freue mich sehr für dich, daß du dieses Klo gefunden hast, auf dem du dich jederzeit erleichtern kannst. Und sogar am Urinal pinkeln kannst. Das ist doch sicher mehr, als du dir erhoffst hattest. Freut mich wirklich sehr!
Ich habe dir auch noch ne PN geschrieben.

robyn
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von robyn » 29. April 2021 12:24

Hallo,

mir geht es da ganz genauso wie dir Jupp, außer dass ich noch ziemlich jung bin. Zusätzlich kommt noch der Punkt hinzu, dass ich bei der Bahn arbeite und dabei in meinen Pausen noch den Stressfaktor: Zeitdruck oben drauf bekomme.

Also: Toiletten mit wenig Kabinen, kurzen Trennwänden, Totenstille, Zeitdruck, Kollegen wissen man ist gerade auf Klo. Und mein Worst-Case-Szenario würde darin enden, dass der Zug mit den Fahrgästen verspätet abfährt und ich mich bei diversen Stellen rechtfertigen muss. Ich hab tatsächlich schon mal überlegt, dieses Worst-Case-Szenario eintreten zu lassen, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, weil ich echt angenervt von dem Zustand war.

Bei mir ist es dann auch noch tagesformabhängig, wie sehr mich das ganz belastet oder nicht. Als ich vor paar Jahren noch Yoga gemacht habe und eine entspannte Grundstimmung hatte, was das Problem irgendwie nicht so gravierend, da ich mich innerlich anders und besser entspannen konnte.

In Kaufhäusern oder Restaurants wo viel los ist, geht es tatsächlich besser, weil ich das Gefühl habe, dass ich da nicht unter Beobachtung stehe.

Mir ist die letzten Monate allerdings tatsächlich mal was aufgefallen... nämlich dass das Problem scheinbar ganz viele Leute betrifft. Ich saß auf Klo und in die Kabine neben mir kam jmd. und auch dort herrschte Totenstille - dann geht es bei mir überhaupt nicht. Wenn ich aber merke der andere tut was in der Kabine, dann kann auch ich mich besser enstpannen...

Was mir auch noch auffiel, dass bei den neueren Toiletten, wenn man im Sitzen pinkelt, das ganze sowieso ruhig abläuft, da der Strahl auf die schräge Beckenwand trifft und in den Abfluss läuft, und nicht wie bei den alten Toiletten direkt plätschernd im Abfluss landet.

Ich hab tatsächlich schon mit Arbeitskollegen und Freunden darüber geredet und gesagt "Ich hab eine Macke: ich habe eine schüchterne Blase und kann nicht, wenn andere mit im Raum sind" ... und viele haben gesagt, dass sie das mit der schüchternen Blase auch auf irgend eine Art und Weise haben und waren da voll und ganz bei mir. Klar hat auch mal einer gelacht und gesagt, sowas versteht er überhaupt nicht... aber ich hab dann überleg, das wäre dann auch einer, dem das vollkommen egal ist, was in meiner Kabine abgeht - und der Gedanke hat mich beruhigt.

Sven12
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Sven12 » 7. Mai 2021 20:08

Hallo zusammen,

Das Ganze kommt einem vor wie bei einem Dschungelkrieg. Als ich noch arbeiten war hatte ich so feste Plätze, ein Klo an jeder Uni. War als Fahrer unterwegs. Ein Ort zum pinkeln lag unter einer Brücke in der Ecke des Parkplatz. Toll sind garantiert sichere Klos wo man vorher guten Gewissens einen Kaffee trinken kann. Ein Klo wo man immer kann. In der Firma wo ich arbeite gab's nach einem Umzug nur noch ein hellhörig Klo und gut einsehbar vom Büro. Wenn ich nicht mit dem Auto wegfuhr musste ich mir Ausreden einfallen lassen um aus dem Haus zu kommen. Später sollten ich mehr im Haus arbeiten, da hab ich dann gekündigt.
Man kommt zur Arbeit und hat keinen Ort zum uriniren,da konnte ich nicht mehr arbeiten.
Wurde dann Taxifahrer in einer Universitätsstadt.
Wenn es am Arbeitsplatz keine fast sicheren Klos gibt
hat man keine Chance.
Da ist dann nur noch Panik.
Denke mir die meisten haben ähnliche Überlegungen.
Gruß Sven

Pebbel
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Re: Große Ängste auf der Arbeit

Beitrag von Pebbel » 24. Juli 2021 14:05

Hallo zusammen,
ich bin inzwischen 63 Jahre, berentet und habe das Problem seit 40 Jahren...
Die beschrieben Situationen auf der Arbeit und die damit verbundenen Ängste kenne ich sehr gut.
In der Firma, in der ich tätig war gab es allerdings für die Angstellten eine "Einzel" Toilette für die man einen Schlüssel holen musste. An diesem Ort war man defintitiv alleine. Schwieriger war es dann bei Kundenbesuchen oder auch Dienstreisen. Da war es oft mit Stress verbunden, eine Toilette zu finden, auf der man alleine war.
Meine Glaube, im Alter würde ich entspannter und alles besser hat sich leider nicht bestätigt.
Ich fahre gerne Fahrrad und Motorrad oder gehe auch gerne Skilaufen. Alles Unternehmungen wo auch oft Freunde und Bekannte dabei sind und früher oder später kommt es dann dazu das der ein oder andere Pinkeln muss. In der Situation geht bei mir gar nichts und ich überlege mir dann vor jeder Tour, ob ich mir das wieder antuen will und 6 bis 7 Stunden einzuhalten bis ich wieder zu Hause bin oder in einer Pension. Aber ich will mir diese Touren auch ncht nehmen lassen.
Gerade aus diesem Grund habe ich mich in den letzen Jahren wieder sehr mit diesem Thema auseinadergesetzt und auch professionelle Hilfe gesucht. Bisher leider ohne Erfolg. Im Gegenteil, ich habe das Geführ das sich das Problem nur noch veschlimmert, je mehr man darüber nachdenkt.
Oftmals wird ja auch geraten, mit dem Thema offener umzugehen und Freunden von den Schwierigkeiten zu erzählen.
Ich finde es äußerst schwierig, sich da zu outen, allerdings habe ich es auch schon Freunden erzählt. Es hat sich auch keiner darüber lustig gamacht.
Jetzt will ich den Teilnehmern hier oder auch Sibiu nicht die Hoffnung nehmen.
Schließlich lebe ich und auch schon seit vielen Jahren mit diesem Problem und habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegen.
Den Sinn dieser Krankheit habe ich jedenfalls noch nicht erkannt und das Problem zu akzeptieren finde ich auch schwierig.
Aktuell steht Ende August einen Motorradtour mit Freunden an. Ich mache mir schon jetzt ständig Gedanken, wie und wo ich am besten Pinkeln gehen kann. Das macht mir ebenfalls Angst. Aber irgendwie komme ich aus der Nummer auch nicht mehr raus...

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