Guten Tag

Hier gibt es alles zum Thema psychische Entleerungsstörung
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lambada
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Guten Tag

Beitrag von lambada » 15. August 2009 00:58

Guten Tag, ich bin 51 und seit meiner Jugend ein Vollblut -nichtöffentlicher- Pinkler,
Vor zwei Wochen habe ich im Netz das 1.mal von dem Begriff “Paruresis” gelesen.
Anlass meiner Recherche war nicht etwa mein Leiden, das ist zwangsläufig integrierter Bestandteil meines Lebens mit all den dazugehörigen Behinderungen
und Ängsten, Anlass war vielmehr die Beobachtung bei meiner 12jährigen Nichte, wo
ich glaubte, Ansätze in diese Richtung zu erkennen.
Daraufhin schrillten bei mir die Alarmglocken, um ihr dieses Schicksal zu ersparen und ich fing an im Internet darüber zu recherchieren.
Je mehr ich dann im Netz darüber las, insbesondere in den Forenbeiträgen, umso bewusster wurden mir meine Einschränkungen bez. dieser Problematik. Über die Jahre manifestierte Vermeidungsstrategien ( bewusste wie unbewusste) wurden mir
deutlich und die Erkenntnis, wie degeneriert mein Leben eigentlich bisher verlaufen ist.
Bei vielen Beiträgen dachte ich, da erzählt doch einer über mich.

Aus meiner Kindheit habe ich drei Erinnerungen, die wohl Auslöser dazu waren :
1. Meine Mutter hatte mich, wenn Strafe anstand, in unser kleines Kloo ohne Fenster
eingeschlossen, natürlich mit Licht aus ( Quasi Dunkelhaft) Irgendwann einmal hatte ich auch die Tür vor Panik eingetreten, fällt mir gerade dazu ein.
2. Einmal hatte ich verschämt eine wohl sehr dreckige Unterhose im Wäschekorb ganz unten versteckt. Meine Mutter fand sie natürlich, Riesentheater und als Sanktion musste ich die Hose unter Aufsicht mit der Hand waschen.
3. Alleine in einem düsteren Klooverschlag auf einem einsamen Campingplatz,
Schloss geht nicht mehr auf, Panik pur

Dann geht’s in der Pubertät schon los :
Bei Freunden pinkeln ging nicht, also raus und freie Natur suchen. War ich dummerweise in einer fremden Stadt, kam es schon mal vor, dass ich eine Stunde zu Fuß unterwegs war, um die Stadtgrenze zu erreichen.
War die Stadt zu groß bin ich nachts in Baustellen eingeschlichen usw.
Fazit : Reisen ist nicht gut für meine Paruresis, also besser lassen,

So ungefähr sind meine ersten Erinnerungen dazu und heute ? Ja heute sieht es bei mir so aus :
Der komplette Lebensalltag ist dieser (ich sag es jetzt mal mit Verlaub) dieser Scheisse untergeordnet :
- Reisen, Städtetouren so gut wie gar nicht
- Kinobesuche, Theater, Konzerte nur mit Vorplanung
- Besuch zu Hause wird abgeblockt oder ausgelagert
- keine Chance auf öffentlichen Kloos
- Bahn- /Flugreisen : nein Danke

Ich könnte noch einiges mehr aufzählen und auch erzählen, aber das sprengt wohl jetzt ein wenig den Rahmen, vielleicht später.

Gut fühle ich mich jetzt, dass ich dieser Sache einen Namen geben kann und es ermutigt mich auch, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe mich schon Freunden geoutet, was sehr gut tut und viele Missverständnisse der Vergangenheit
in ein neues Licht rückt.

Ich wollte mich jetzt hier und heute einmal vorstellen, mich auch für die gelesenen Beiträge bedanken und sage mal :

Bis bald

Svenja
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Beitrag von Svenja » 16. August 2009 10:34

Hallo Lambada!
Meine Mutter hatte mich, wenn Strafe anstand, in unser kleines Kloo ohne Fenster eingeschlossen
So autoritär bin ich nicht erzogen, aber dennoch war es bei mir so ähnlich. Man hat mich einfach aufs Klo gesetzt und 10 Minuten später wieder runtergeholt. Es hatte niemand die Zeit dafür, dabeizubleiben. :cry:
War ich dummerweise in einer fremden Stadt, kam es schon mal vor, dass ich eine Stunde zu Fuß unterwegs war, um die Stadtgrenze zu erreichen.
Parkplätze tun da gute Dienste. :twisted:
Fazit : Reisen ist nicht gut für meine Paruresis, also besser lassen,
Das ist der größte Fehler, den Du machen kannst, denn dann beherrscht die Krankheit Dein Leben total. Du musst hingehen und -fahren, wohin Du willst. Gedanken übers Pinkeln darfst Du Dir erst machen, wenn Du wirklich musst und nicht vorher.

Wie bist Du denn darauf gekommen, dass Deine Nichte es hat? Ich glaube kaum, dass sie mit Dir darüber gesprochen hat, denn das wäre absolut atypisch für diese Krankheit.

LG Svenja

Croccy
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Beitrag von Croccy » 17. August 2009 17:01

Würde mich auch mal interessieren, wie du auf den Verdacht bei deiner Nichte gekommen bist.
Jedenfalls ist es so, wie Svenja sagt. Mach was du willst und wozu du Lust hast und wenn du dann irgendwann auf die Toilette musst, dann musst du dir eben irgendwo was suchen oder dich irgendwie durchmogeln.

Gruß

lambada
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Beitrag von lambada » 17. August 2009 23:35

Der Verdacht bezüglich meiner Nichte kam auf, als ihre Mutter mal beiläufig erzählte,
dass das Kind nur ungern oder garnicht auf öffentl. Kloos geht, z.B. Kino- oder
Freizeitparkbesuche. Letzte Woche hat meine Nichte 2 Ferientage durchgehend bei mir im Schrebergarten verbracht und sie ging tagsüber gar nicht aufs Kloo, lediglich mal abends. Wie gesagt ein Verdacht von mir, vielleicht bedeutet es ja nichts,
Natürlich spreche ich sie nicht darauf an, dass wäre wohl kontraproduktiv.

Das stimmt schon : einfach hinreisen und dann schauen, wie man das geregelt bekommt. Ich habe es auch schon mehrfach gemacht, aber es war immer sehr enttäuschend/frustrierend und irgendwann macht man es dann nicht mehr.

Vielen Dank für die Antworten und alles Gute, Dirk (-Lambada)

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Toni
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Beitrag von Toni » 23. August 2009 19:02

Hallo Lambada, ich bin der gleiche Jahrgang wie du und leide ebenso lange wie du an Panuresis. Ich weiß auch, daß es bei Reisen und Veranstaltungen äußerst frustrierend sein kann nicht zu können. Trotzdem solltest du dich davon nicht abhalten lassen, denn eine Reise ist doch auch immer schön, und es bleibt doch auch mehr übrig, als die Erinnerung an die eine oder andere unangenehme Pinkelsituation. Mir geht es zumindest so. Probiers doch mal wieder! :) Gruß Toni

zefiro39
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Re: Guten Tag

Beitrag von zefiro39 » 24. August 2009 14:21

lambada hat geschrieben: - Reisen, Städtetouren so gut wie gar nicht
- Kinobesuche, Theater, Konzerte nur mit Vorplanung
- Besuch zu Hause wird abgeblockt oder ausgelagert
- keine Chance auf öffentlichen Kloos
- Bahn- /Flugreisen : nein Danke
Von den genannten Sachen habe ich mich bisher noch nicht durch die Paruresis abhalten lassen. Aber ich habe auch das Glück, in öffentlichen Toiletten pinkeln zu können, wenn diese nur nicht stark frequentiert sind, und wenn es eine einigermaßen ruhige Kabine gibt. Ist das bei Dir nicht der Fall? Kannst Du auch nicht pinkeln in ruhigen, menschenleeren Toiletten?

In Zug und Flugzeug kann ich zwar meistens auch nicht pinkeln, aber ich schaffe es in der Regel problemlos, 7-8 Stunden lang ohne Toilette auszukommen. Und in dieser Zeit kommt man schon ganz schön weit...

sandrine
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Erlebnisse

Beitrag von sandrine » 24. August 2009 19:20

Ich heiße Dich auch herzlich willkommen in unserem Forum!

ich kenne dieses Erlebnis auch: in einem Clo eingesperrt zu sein oder dass das Schloß nicht mehr auf ging. Seitdem habe ich aucßer paruresis auch noch diese Angst! Ich hatte mein Leben auch sehr eingeschränkt und nach dem Vorstellungsgespräch erstmal die Clos "begutachtet". Leider bekam ich immer dort Stellen, wo die Closituation schwierig war, so dass ich teilweise mitten in der Arbeit nach hause fuhr oder in der Mittagspause verzweifelt außerhalb ein Clo suchte.
Aber ich kann dir Mut machen: seit ich eine Verhaltenstherapie mit entsprechender geführter meditation mache, ist meine Angst fast weg. In letzter Zeit hatte ich gar keine Mißerfolge, komischerweise waren die Situationen einigermaßen günstig, aber selbst da konnte ich früher nicht. Auch bin ich fest entschlossen, mein Leben nicht mehr von Paruresis bestimmen zu lassen und habe festgestellt, das es geht.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

Sandrine :wink:

manson
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Beitrag von manson » 25. August 2009 07:07

Hallo und auch guten Tag!

Bin 43 und hab das Problem in öffentlichen Pissoirs. In Kabinen klappt es zum Glück immer, von daher ist die Einschränkung nicht ganz so dramatisch... Bin vor 2 Wochen rein zufällig im Internet auf diese Seite gestossen und wusste bis dahin nicht dass dieses Leiden überhaupt einen Namen hat.
Nur schon zu wissen dass man damit nicht alleine ist tut eigentlich schon ganz gut.

Gruss aus Zürich!

Svenja
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Beitrag von Svenja » 26. August 2009 23:29

Hallo Lambada!
Letzte Woche hat meine Nichte 2 Ferientage durchgehend bei mir im Schrebergarten verbracht und sie ging tagsüber gar nicht aufs Kloo, lediglich mal abends. Wie gesagt ein Verdacht von mir, vielleicht bedeutet es ja nichts,
Mit dem Verdacht liegst Du falsch. Wenn Deine Nichte Paruresis hätte, würde sie das Klo aufsuchen und dann dort feststellen, dass nichts rauskommt.

Wenn sie von vornherein den Örtlichkeiten fernbleibt, dürfte das andere Gründe haben. Hast Du in Deinem Schrebergarten ein normales WC oder womöglich ein Plumpsklo oder so ein chemisches Zeugs wie ein Dixi, wovor sie sich ekelt? Hat sie denn mal ein Bedürfnis kundgetan - vielleicht musste sie gar nicht. Nicht alle Menschen haben eine Dackelblase.

LG Svenja

tom20
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Beitrag von tom20 » 4. September 2009 20:43

hallo manson und lambada!

lambada, deine leidesngeschichte klingt sher typisch, und cih kann mich den anderen eiglt. ur anschließen, du solltest jetzt versuchen, langsam, stück für stück dein vermeiddungsverhalten abzubauen. dass du deien freunde eingeweiht hast, ist doch schonmal sehr gut. das bietet doch schon viel mehr möglcihkeiten! wenn man ds problem nicht verstecken muss und die freunde rücksicht nehmen etc., bietet sich oft die eine oder andere möglcihkeit, irrgendow mal zu pissen

"Bei Freunden pinkeln ging nicht, also raus und freie Natur suchen. War ich dummerweise in einer fremden Stadt, kam es schon mal vor, dass ich eine Stunde zu Fuß unterwegs war, um die Stadtgrenze zu erreichen.
War die Stadt zu groß bin ich nachts in Baustellen eingeschlichen usw. "

-du kannst z.b. einen freund bitten, bei dem du zu besuch bist, doch mal kurz die owhnung zu verlassen, damit du pinklen kannst. und selbst wenn du immer noch lange wege bzw. langes suchen in kauf nehmen musst, um eine stelle zu finden., wo du pinklen kannst, dann solltrst du adas in kauf nehmen, da hat toni völlig recht, ist doch immer noch besser als auf städtebscihtigungnen etc. gnaz zu verzichten.

eine therapie, wie sandrine schon beschrieben hat, ist natrülcih ebenfalls empfehlenswert, und acuh der paruresis-workshop mit steven soifer in speyer sie dir natrülich empfohlen.

und hast du schon die bücher von hammelstein und soifer gelesen?

was deine ncihte angeht, da würde ich svenja widersprechen, sie sit jetzt 12, und in dem alter war bei mir die paruresis auf ejden falls chon so ausgeprägt, dass ich schon wusste, dass cih es auf fremden toiletten gar ncith erst zu probieren brauche, weils ja eh nciht geht.

svenjas argument unterstellt ja eher, dass sie gerade erst feststellt, das sie auf fremden toiletten nciht pinkeln kann.

udn auch ihre mutter hat ja shcon gesagt, das sie ungern auf öffentliche klos geht. alos das deutet leider auch eher darauf hin.

,manson, schön zu hören, dass es bei dir nicht gnaz so schlimm ist, aber dennoch solltest auch du versuchen, daran zu arbeiten, so dass du irgendwnan vllt gar keien probleme mehr hast, auch am pissoir!

naja auf jeden fall finde ich es schönd ass ihr dieses forum gefunden habt und hoffe natrülcih, dass es euch hilft und ihr auch vllt auch daran ebteiligt,

gruß,

tom

wsp
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Re: Guten Tag

Beitrag von wsp » 10. September 2009 00:34

Hallo lambada!
lambada hat geschrieben:- Reisen, Städtetouren so gut wie gar nicht
- Kinobesuche, Theater, Konzerte nur mit Vorplanung
- Besuch zu Hause wird abgeblockt oder ausgelagert
- keine Chance auf öffentlichen Kloos
- Bahn- /Flugreisen : nein Danke
Die Probleme bei Reisen könnten auch beruflich ein Problem sein, die anderen Sachen beziehen sich auf das Privatleben.

Mich würde interessieren, hattest bzw. hast du damit im Beruf Probleme?
Wenn nicht, was ist der Unterschied zwischen den von dir angeführten Situationen und der Situation im Beruf?

lg

lambada
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Wohnort: ruhrgebiet

Re: Guten Tag

Beitrag von lambada » 3. September 2018 20:29

Hallo , nach fast 10 Jahren Inaktivität in diesem Forum möchte ich mich wieder melden.
Ich bin mittlerweile 61 und meine Pinkelsituation hat sich nicht geändert, das ist
logisch, wenn man nichts unternimmt.
Nur die Vermeidungsstrategien sind perfektionierter und routinierter geworden,
aber im Ergebnis bleibt das Leben sehr eingeschränkt.
Ich melde mich, weil ich irgendwie das Bedürfnis verspüre, jungen Menschen, die
auch betroffen sind, evtl Hilfestellung dabei zu geben, sich nicht in diese Lebensspirale
zu verfangen.
Ich überlege auch eine Selbsthilfegruppe in meinem Wohnort zu organisieren.
Ich bin aktuell auf “Wemingo” gestossen und überlege es für mich.
Meine Frage wäre, ob man mit “Hilfe” dieses Forums eine Selbsthilfegruppe
organisieren kann , bzw Kontakte herstellen kann.
Und vielleicht hat jemand Erfahrung damit,

herzlichst lambada

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