Klinikalltag - Kognitive Verhaltenstherapie

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Serfling01
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Klinikalltag - Kognitive Verhaltenstherapie

Beitrag von Serfling01 » 4. April 2018 21:19

Hallo an alle,
wie angekündigt, möchte ich Euch weiterhin über meine stationäre kognitive Verhaltenstherapie berichten und hoffe damit, einigen die Entscheidung zu einer Therapie erleichtern zu können. Beim letzten Mal habe ich in groben Zügen die Zusammensetzung der Therapiegruppe beschrieben und die einzelnen Therapien in Umfang und Inhalt kurz umrissen.
Heute möchte ich Euch einen typischen Tagesablauf darstellen und die Aufgaben und Regeln auf der Station beschreiben:

Tagesablauf Beispiel:
6:45 Blutdruck messen/oder Wiegen (1xwöchentlich)
7:15 Frühstück (alle 16 Patienten gemeinsam im Gruppenraum)
8:15 Hausgruppe (Tagesplanung, alle Patienten und Therapeuten zusammen, Neue stellen sich vor, geheilte verabschieden sich)
8:45 Kreislauftraining oder Sporttherapie (zum Aufwachen)
10:00 Angstgruppe (Themenbesprechungen, allgemeine Übungen z.B Hyperventilation)
11:00 Übung (Pinkeln üben mit einem eingeweihten Stationsbetreuer - Peebody)
11:30 PMR (Entspannung)
12:00 Mittag (wieder alle im Gruppenraum)
12:45 Ergotherapie (Konzentration)
14:00 Expo – öffentliche Toilette (individuelle Konfrontation mit der Angst/Scham auf Toiletten)
15:00 Einzeltherapie (z.B. Auswertung d. Expo und Übungen: Pinkeln mit Therapeuten)
16:30 Yoga (Entspannung)
18:00 Abendbrot (gemeinsam)
21:15 Anwesenheit im Objekt
22:00 Nachtruhe (alle auf die Zimmer)

Das ist ein recht voller Tag. Das ist nicht immer so. Die Zwischenzeit kann privat genutzt werden. Einkaufen, Stadtspaziergang, Joggen, Kino, Fernsehen etc.

Was offiziell nicht erlaubt ist:
Drogen/Alkohol: Es werden Stichproben durchgeführt (weil ehemalige Abhängige dabei sind). Wer getrunken oder gekifft (oder härter) hat, muss gehen.
Laptop: Internet und Zockerei lenkt zu sehr von Therapie ab.
Besuch auf den Zimmern (einschließlich anderer Patienten).
Sport mit erhöhter Verletzungsgefahr außerhalb der Sporttherapie (Also Fußball, Klettern, Eishockey etc.)
Nach Hause fahren oder gehen (Nur nach Absprache mit Therapeuten und erst nach ca. drei Wochen Aufenthalt möglich) Ausnahmen sind möglich.

Aufgaben:
Gruppensprecher: Jede Woche gibt es einen Gruppensprecher, der im Blick hat, und der bei der Morgenrunde aufschreibt, wer wann welche Therapie, Übung oder Expo hat, wer Küchendienst macht und in welcher Reihenfolge die Visite läuft.
Küchendienst: Rotierend machen jeden Tag zwei andere Küchendienst (Tische abwischen, Küche sauber halten).

Was nicht gern gesehen ist:
täglicher Besuch über längere Zeit
Abschottung von der Gruppe: Das Zusammenarbeiten in der Gruppe ist Bestandteil der Therapie (soziales Training).
Das Eingehen von Beziehungen sexueller Art: Kann zu vielen Konflikten während der Therapie führen.
Die ganze Nacht Fernsehen

Was gern gesehen ist:
Alle gemeinsamen Aktivitäten, wenn es die Zeit zulässt: Schach, Tischtennis, Karten, Spazieren gehen, Austausch mit Mitpatienten etc.
Engagement in jeder Hinsicht: Man hat Einfluss auf den Therapieverlauf, wenn man Fragen stellt, sich Rat holt, Ideen einbringt, Themenvorschläge einbringt.

So ich hoffe, ich konnte denjenigen, die noch keine Therapie kennen ein wenig Einblick verschaffen und habe niemanden durch meinen kurzen Bericht verschreckt.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass insgesamt größtmögliche Toleranz und viel Verständnis herrscht. Die Schwestern, Ärzte und Therapeuten haben ständig ein offenes Ohr, sind geschult und berücksichtigen die Privatsphäre jedes Patienten. Man wird trotz seiner Krankheit mit Respekt behandelt und selbst beim Pinkeltraining ist der Umgang auf Augenhöhe.

Bei nächsten Mal werde ich näher das Pinkeltraining und die Exposition beschreiben, einschließlich der persönlichen Erfolge, welche ich dabei bisher erzielt habe.

Gutes Gelingen
Serfling

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