Meine Geschichte

Hier könnt ihr euch den anderen Nutzern vorstellen
Antworten
Mackie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 13. Januar 2018 21:12

Meine Geschichte

Beitrag von Mackie » 20. Januar 2018 21:28

Hallo zusammen,

ich bin männlich, 27 Jahre alt und habe eigentlich schon seit ich denken kann Paruresis. Ich denke, dass ich ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein habe und ich mich durch die Paruresis nicht so sehr in meinem Verhalten beeinflussen/einschränken muss wie andere Leidensgenossen, aber trotzdem möchte ich das Problem jetzt endlich mal angehen, da es für mich persönlich schon natürlich auch belastend ist.

Meine Situation ist die Folgende:
Im Sitzen pinkeln auch wenn es komplett still ist und andere warten geht für mich mit etwas Konzentration.
Direkt neben anderen pinkeln im Stehen ist für mich in 99% der Fälle unmöglich.
In Situationen in denen die Gefahr besteht, dass jemand hereinkommen könnte, geht es würde ich sagen in 50% der Fälle, je nach Situation.

Ich habe mich jetzt vor ca. 2 Wochen angemeldet für den Selbsthilfekurs von Wemingo, vielleicht habt ihr davon schon gehört. Dabei handelt es sich um eine kognitive Verhaltenstherapie und ich würde sagen, dass ich diesen Kurs ernstnehme, ausführliche Gedankenprotokolle etc. schreibe, aber eben noch am Anfang stehe. Im Rahmen dieses Kurses habe ich mir vorgenommen mich in einem Paruresis Forum anzumelden, um mich mit anderen Betroffenen auszutauschen und letztlich auch meinen Fortschritt zu dokumentieren, sozusagen auch als Selbstkontrolle.

In einer Toilette in einem Kaufhaus mit 3 Urinalen mit Trennwänden konnte ich heute ohne Probleme laufen lassen, allerdings war die Toilette ansonsten leer, es bestand aber natürlich die Möglichkeit, dass jemand hereinkommt. Mag nur ein kleiner Fortschritt sein, aber gefreut habe ich mich trotzdem, dass es geklappt hat.
Beruflich als auch privat ist es so, dass ich relativ selten in Berührung mit diesem Problem komme, da ich quasi alleine arbeite im Büro. Höchstens am Wochenende, wenn ich auf Partys gehe (3-4 mal im Monat) stolpere ich am Meisten über die Paruresis.

Ich bin zuversichtlich, dass ich die Paruresis irgendwann besiegen kann, weiß aber, dass das immer wieder mit Rückschlägen verbunden sein wird.

Falls das hier zu einem Selbstgespräch ausartet, ist das für mich auch kein Problem, hauptsache es hilft ;-)

Rolf
Poweruser
Beiträge: 213
Registriert: 30. März 2004 19:21

Re: Meine Geschichte

Beitrag von Rolf » 21. Januar 2018 12:05

Mackie hat geschrieben:
20. Januar 2018 21:28
Falls das hier zu einem Selbstgespräch ausartet, ist das für mich auch kein Problem, hauptsache es hilft ;-)
Gleich ins Schwarze getroffen – nicht schlecht!

Als soziale Phobie kann P. durchaus isolatorische Tendenzen aufweisen. Wenn das Dein Ansatz ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, vom Übungsprogramm des Webmasters, bis zur professionellen Therapie, wie TV (VT?) oder stärkere Geschütze wie Hypnose. Wenn Du weißt wofür / wogegen! Die Therapeuten, die sowas anbieten sollten wissen was sie tun. Wenn da so einer kommt wie ich und will reich und schön werden. Wichtig ist halt nach wie vor heraus zu finden, woher das Übel kommt – einfach für den richtigen Weg. (Unsere) Ängste maskieren sich häufig.

Immerhin hast Du die Möglichkeit, das ganze ohne größeren Streß anzugehen. Das ist nicht allen vergönnt. Gerade der Druck auf der Arbeit macht es für viele noch schlimmer, als es grundsätzlich schon ist.

Es handelt sich ja eigentlich um ein Allerweltsgeschäft, nicht wahr :wink:

Mackie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 13. Januar 2018 21:12

Re: Meine Geschichte

Beitrag von Mackie » 28. Januar 2018 16:02

Dieses Wochenende war ich in 2 Clubs in denen ich etwas "trainieren" konnte. Die erste Toilette war im Prinzip alles was einem Paruretiker (sagt man das so?) so Angst machen kann: viele Leute auf der Toilette, nur eine Pinkelrinne ohne jegliche Privatsphäre.
Ich war recht betrunken und es war ziemlich laut, das machte es etwas einfacher. Es kam zwar etwas, aber nicht viel, der Harndrang war aber auch nicht übermäßig. Ich hab das eigentlich als Erfolg gewertet, da es zumindest ein bißchen lief und teilweise Leute direkt neben mir standen. Mir ist außerdem aufgefallen, dass neben mir auch noch andere Leute so ihre Schwierigkeiten hatten.

Im 2. Club hab ich 2 mal geübt, es gab auch recht wenig Privatsphäre, es stand aber sonst niemand neben mir, aber es gab natürlich die Gefahr, dass jederzeit jemand reinkommen könnte. Auf jedenfall lief es bei beiden Malen, ich glaube auch durch das zumindest kleine Erfolgserlebnis vom Vortag.

Ich weiß, dass es immer wieder Rückschläge geben wird, aber trotzdem zieh ich da aus diesen Erlebnissen jetzt schon viel Positives raus.

Mackie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 13. Januar 2018 21:12

Re: Meine Geschichte

Beitrag von Mackie » 10. Februar 2018 20:09

Mal wieder ein kurzer Zwischenbericht:

Ich habe wie beschrieben relativ wenige Möglichkeiten zur Übung, versuche mir die Situationen aber dann doch auch schon bewusst zu suchen in denen ich üben kann.
Es gab in der letzten Zeit sicher ein paar Erfolgserlebnisse, allerdings auch den ein oder anderen Rückschlag, aber ich weiß, dass das nunmal dazu gehört.

Bei dem Kurs von Wemingo bin ich gerade bei dem Part die negativen Gedanken, Gefühle etc. durch alternative Gedanken auszutauschen. Das schreibe ich recht diszipliniert immer wieder auf und ich denke, dass ich da auf einem guten Weg bin. Mir hilft es eine gewisse Anleitung zum Umgang mit diesem Thema zu haben und dafür ist Wemingo sicher gut.

teemoh
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 16. Februar 2018 13:57
Wohnort: MS

Re: Meine Geschichte

Beitrag von teemoh » 16. Februar 2018 18:40

Hey Mackie,

danke, dass du deine persönlichen Erfahrungen mit uns teilst!

Ich finde an deinem Bericht besonders beneidenswert, dass du dir die Übungssituationen suchst und gezielt angehst. Im Club zu üben, finde ich dabei auf jeden Fall sehr selbstbewusst. In meiner Situation als Student ist es z.B. komplett andersherum: Ich habe sehr viel Zeit und unglaublich viele Orte zum üben, schaffe es aber nicht, endlich zu konfrontieren. Deine Erfolgserlebnisse, würde ich aus meinen Erfahrungen auf jeden Fall als welche bezeichnen. Sowas motiviert! Dran bleiben!

Mackie
Newbie
Beiträge: 4
Registriert: 13. Januar 2018 21:12

Re: Meine Geschichte

Beitrag von Mackie » 18. Februar 2018 19:06

Danke für deine Worte, dann weiß ich, dass das hier vielleicht doch jemand liest ;)
Die Konfrontation in einer Disco finde ich je nach Situation gar nicht soo schlimm, da ich schon meist etwas getrunken habe, weiß dass die anderen um mich rum auch getrunken haben und dadurch die Aufmerksamkeit vielleicht einfach woanders ist.

Konfrontation ist glaube ich wirklich das Wichtigste bei der ganzen Geschichte und ganz wichtig aber besonders schrittweise Konfrontation, also nicht Schritt 3 (z.B. Pissoir ohne Trennwand direkt neben einem Bekannten) vor Schritt 1 (Pissoir mit Trennwand neben Unbekanntem), bzw. wenn es sich nicht anders gestalten lässt, dann einfach nicht entmutigen lassen.

Ich versuche einfach mit aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen und hoffe so langsam eine Besserung festzustellen...

Antworten