Paruresis im Flugzeug

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kezardnow2
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Paruresis im Flugzeug

Beitrag von kezardnow2 » 29. Oktober 2015 16:48

Hallo an alle!

Ich habe das Problem, dass ich im Flugzeug das Paruresis Problem habe. Allerdings nur dort, in alltäglichen Situationen habe ich überhaupt keine Probleme. Ich wusste bis vor kurzem noch gar nicht, dass diese Krankheit existiert und dass es mich auch betrifft. Aber wie gesagt nur im Flugzeug. Und jetzt kommt das eigentliche Problem. Ich bin Verkehrspilot und daher ist dieses Problem denkbar schlecht, da ich genau dort dieses Problem habe. Ich habe schon Hypnose, Beta-Blocker, usw. versucht. Bis jetzt vergeblich. Ich befürchte, dass mir nur die Kathererlösung bleiben wird, wovor ich mich allerdings etwas scheue. Die Breath-Holding Methode ist mir zu unsicher, da ich mich nicht immer darauf verlassen kann, dass es klappt. Ich hatte mir auch schon überlegt, den Job an den Nagel zu hängen und was anderes zu machen, denn unter diesen Umständen ist es echt unangenehm. Hat jemand von euch einen weiteren Vorschlag oder Rat? Hat jemand Erfahrungen mit Kathetern im Flugzeug oder ist es besser etwas Anderes auszuprobieren oder es ganz sein lassen?

LG Markus

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Sasha
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Re: Paruresis im Flugzeug

Beitrag von Sasha » 28. Oktober 2020 16:12

Hallo,

ich möchte dieses Thema gern wieder hoch holen, da ich mich auch frage, wie ihr das regelt.

Benutzt ihr einen Katheter?
Funktioniert das gut im Flugzeug?
Ich bin noch nie geflogen, aber die Toilettenkabinen sind doch sicher mega klein...
Und generell: Wie ist der Klo-Verkehr dort? Ist ständig jemand drauf? Wartet ständig jemand?

Ich stelle mir das so vor wie im Zug.


Meine Frage richtet sich auch speziell an Frauen! Ich könnte mir vorstellen, dass Katheter legen bei Männern simpler ist...


Ich hab mich verliebt und besagter Mensch wohnt 24 Stunden-Flugzeit von mir entfernt. Ach ja.....
Ich muss unbedingt wissen welche Möglichkeiten ich habe. :cry: Langsam mache ich zwar Fortschritte, aber Flugzeug ist Stufe 10000.

ParuWien
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Re: Paruresis im Flugzeug

Beitrag von ParuWien » 1. November 2020 12:10

Hi,

hilfreiche Tipps dazu findest du beispielsweise hier auf der britischen Paruresis Page:

https://www.ukpt.org.uk/living-with-par ... and-flying

Persönliche Erfahrungen von meinen Flügen:

Mein längster Flug war 8h von Europa nach New York. Beim Hinflug habe ich wenig getrunken, um nicht gehen zu müssen. Beim Rückflug musste ich trotz wenig zu trinken trotzdem sehr stark bereits nach 4h auf die Toilette. Es war Nacht, die Leute haben geschlafen oder Film geschaut, es war verdunkelt. Man konnte sich somit auf eine Toilette schleichen. In meinem Fall standen leider Personen in unmittelbarer Nähe zum WC und haben miteinander geplaudert und mich angesehen, als ich in die Toilette gegangen bin. Das hat mir dann zu viel Stress gemacht und ich habe nach paar Minuten erfolglos abgebrochen. Es folgten 4h Schmerzen und kein Schlaf - keine schöne Experience. Beim nächsten Mal werde ich es aber wieder versuchen - es wäre möglich gewesen, Ruhe zu finden. Mein Therapeut hat mir hierfür angeboten, beruhigende Medikamente (wie sie auch für Flugangst verwendet werden) zu bekommen - die würde ich evtl. in Erwägung ziehen (auch wenn ich noch nie Medikamente für Paruresis ausprobiert habe).

  • Bei kurzen Flügen bis zu 4 Stunden versuche ich möglichst wenig zu trinken, um nicht in unangenehme Situationen zu kommen
  • Kleinere Flugzeuge haben weniger Toiletten und man ist somit ziemlich exposed (auf dem Weg dorthin, ebenso haben die Passagiere direkten Blick auf die Toilette, Leute könnten auf eine freie Toilette warten, es stehen manchmal Flugbegleiter*innen in unmittelbarer Nähe)
  • Größere Flugzeuge für längere Flüge sind angenehmer, weil es viele Toiletten in abgetrennten Bereichen gibt (also warten in der Regel keine Leute auf eine freie Kabine, es gibt genug Auswahl, haben keinen direkten Blickkontakt auf die Toilette, Lichter werden verdunkelt und Leute schlafen, schauen Filme, gehen einfach herum um sich die Füße zu vertreten und die Zeit zu überbrücken - man hat also einen Grund aufzustehen und kann Herumspazieren als innere Ausrede für einen Toilettenbesuch verwenden etc.)
  • Wenn das Gurt-Symbol erlischt stehen viele Leute auf und benutzen die Toilette, hier würde ich den Andrang grundsätzlich vermeiden

Zusammengefasst gilt für mich folgendes für längere Reisen und zukünftige Flüge:
Entweder mehrere aufeinanderfolgende kürzere Flüge mit Zwischenstopps, wo ich nicht an Bord gehen muss und am Flughafen in Ruhe gehen kann oder
längere Flüge wo ich an Bord herumspazieren kann, eine Toilette meiner Wahl verwenden kann und genug Zeit und Ruhe finde, die Leute schlafen und abgelenkt sind. Beruhigungsmedikamente vom Arzt holen und einpacken. Niemals werde ich Paruresis als Hindernis akzeptieren, die Welt zu erkunden - schließlich überlebt man im Worst-Case die Schmerzen an Bord und die Destinationen und Erfahrungen dort sind es immer wieder für mich persönlich wert :-)

Alles Gute und keep flying,
ParuWien

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