Standortbestimmung

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Rhippitt
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Standortbestimmung

Beitrag von Rhippitt » 22. Oktober 2017 21:29

Hi Leute. Seit Jahren hab ich mich nicht mehr gemeldet. Es ist viel passiert bei mir. Meine Frau hat mich vor 4 Jahren verlassen, Familie kaput, meine drei Jungs (16,13, und acht) wohnen bei ihr. Ich habe eine Freundin gefunden, lebe aber ein Leben welches ich nie so wollte. Paruresismässig ging es immer auf und ab. Ich habe sie sehr stark, sehr lebenseinschränkend. Mittlerweile habe ich auch zuhause mühe, wenn mich meine Jungs besuchen. Wir haben auch eine kleine Wohnung mit nur einer Toilette, was natürlich die Problematik noch verstärkt. Es ist traurig zu merken, dass ich froh bin wenn meine lieben Kinder nicht bei mir sind, damit ich in Ruhe auf die Toilette kann. Auswärts ging es auf wenig frequentierten Toiletten ab und zu einigermassen. Seit einem Jahr ist die Paru leider wieder viel stärker geworden. Bei der Arbeit haben wir ein WC das kaum frequentiert wird. Doch leider beginnt bald ein Umbau und es wird wegkommen. Das belastet mich sehr. Ich fühle mich seit einiger Zeit so unruhig, habe auch Verdauungsprobleme, muss jeden Morgen etwa 4-5Mal durchfallmässig zur Toilette. Es wurde aber nichts festgestellt als Reizdarm. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es wegen der psychischen Belastung ist. Zudem stehen in bälde ganztägige Weiterbildungen an, sehr sehr mühsam, das heisst den ganzen Tag nichts trinken und hoffen dass sich die Blase nicht am Morgen schon meldet... Ich beginne in bälde wiedermal eine Gesprächstherapie, denn es ist alles schon sehr belastend, ich bin sehr oft depressiv deswegen. Anitdepressiva vertrug ich leider nie, habe ich auch schon genommen. Viele Hobbies und meine Familie bleiben teilweise auf der Strecke, nur wegen Paruresis. Ich weiss, es gibt viele Leute die haben es schlimmer. Meine Ex Familie lebt ja noch und die Paru ist nur eine Behinderung. Dennoch fühle ich mich elend, so ein langer Kampf seit über 20 Jahren.... Ich musste das einfach mal loswerden. Ich habe gesehen es läuft nicht mehr so viel hier im Forum. Vielleicht ist ja jemand da der mir ein wenig Mut machen kann oder von seinen Erfahrungen berichtet, damit man merkt, dass man nicht alleine ist....

Rhippitt
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Re: Standortbestimmung

Beitrag von Rhippitt » 10. September 2018 23:13

Fast 2 Jahre sind vergangen seit ich das letzte Mal geschrieben habe. Ich lese oft mit hier. Meine Situation hat sich nochmals verschlechtert. Seit Januar habe ich plözlich grosse Schmerzen im Bereich der Prostata. Es wurden einige Untersuche gemacht, wie Ultraschall, MRI und eine Blasenspiegelung. Doch leider wurde nichts festgestellt. Ich musste 2 verschiedene Antibiotika nehmen, hatte grosse Nebenwirkungen. Katastrophe. Im Juni dann sagte mir mein Arzt, er könne nichts mehr für mich tun, ich müsse damit leben. Diagnose: Prostatitis, abakteriell. Jetzt sind die Schmerzen nochmals stärker geworden. Ihr könnt euch ja mal vorstellen, wie schlimm das ist mit starker Paruresis. Ich habe sogar Mühe Wasser zu lassen allein zuhause, da ich weiss, dass das den Schmerz jedesmal verstärkt. Zudem wollten die Aerzte unbedingt meinen Urinstrahl messen. Doch natürlich unmöglich zu urinieren, ich habe mich sehr geschämt. Natrülich, da sie nichts rechtes gefunden haben, schätzen sie mich jetzt als Psycho ein, Antidepressiva würden vielleicht helfen. Meine Verdauungsstörungen sind natülich auch noch mehr geworden, da mich das Problem dermassen belastet. Urinstrahlmessung wäre ganz wichtig, man hätte Aufschlüsse über die Arbeit von der Blase. Aber selbst wenn ich ein wenig könnte, es käme höchstens ein Rinnsal, ihr Mitparuretiker könnt mir das sicher nachfühlen. Ich bin am Ende und weiss nicht was ich noch tun kann, mag kaum mehr arbeiten... dazu kommt noch, dass ich wegen dieser Dammschmerzen viel öfter Harndrang habe. Ich mache bei der Arbeit öfters jetzt die unbeliebte Nachtschicht, da ich so meine Ruhe habe und alleine bin. Ein totaler sozialer Rückzug ist am Laufen. Dabei war ich ein fröhlicher, geselliger Mensch. Ich traf mich oft mit Freunden, wenn auch nur jeweils für so 5 Stunden wegen der Paruresis. Jetzt aber mag ich nicht mehr.

johannes
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Re: Standortbestimmung

Beitrag von johannes » 11. September 2018 15:33

Hallo Rhippitt,

es tut mir Leid, dass dich die Paruresis so einschränkt :( Ich nehme an, du bist grundsätzlich schon gut informiert, sodass ich dir hier nichts Neues sagen kann. Ich will nur einmal kurz nachfragen, ob dir die Gesprächstherapie etwas gebracht hat und ob du mal versucht hast, einen Therapeuten zu finden, der mit dir zusammen üben kann? Ich könnte mir vorstellen, dass dir das am meisten bringen würde, mit professioneller Unterstützung mit dem konkreten Problem zu konfrontieren. Und wäre es vielleicht eine Option, dass du an dem Workshop 23.11.-25.11. teilnimmst? Da gibt es traditionell Übungspartner für jedes Level und du könntest einfach mal in Gemeinschaft an dem Thema arbeiten.

Viele Grüße,
Johannes

Rolf
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Re: Standortbestimmung

Beitrag von Rolf » 12. September 2018 18:08

Hallo Rhippitt,

dieses Einhalten erzeugt Stillstand, sowohl gesellschaftlich als auch körperlich. Stase nennen das die Fachleute, glaube ich. Dieses Rausgehen, wie Johannes das beschreibt, ist sicher eine gute Möglichkeit; zumindest was den Überblick betrifft, wenn nicht sogar Lösungen in Sichtweite rücken.

Deine Sicht der Dinge hat sich zwangsläufig von einem psychischen Ver-Halten in körperlichen Symptomen manifestiert. Bei funktionellen Störungen sind wir aber in der westlichen Medizin nicht unbedingt am besten aufgehoben. Diese ganzen Messungen haben doch nur dann einen konkreten Wert, wenn ich eine Therapie dafür in Aussicht habe, nicht wahr? Davon abgesehen halte ich als Paruretiker einen „Uroflow“ für einen schlechten Witz und keinen Anlaß zur Scham. Daher würde ich das einfach mal hintanstellen; und diese blumigen Krankheitsnamen sind zwar recht nett, aber schön ist was anderes.

Offensichtlich fehlen dir noch ein paar ursächliche Zusammenhänge. Das sei unnötiger Ballast schreiben sinngemäß einige hier, doch es macht schon Sinn um diese zu wissen, zumindest wenn es darum geht, keinen unnötigen Holzwegen aufzusitzen. Beschrieben hast du es glaub nirgends, doch kann ich mir vorstellen, dass du mit dem Einhalten öfter an die Grenzen des Krampfes kommst. Das überlastet den Organismus, z.B. Entzündungen der Prostata sind die Folge. Da dieses Biest von haus aus empfindlich ist, hast du deinen persönlichen Hauptgewinn gezogen :(

Von den -zig Sachen die ich probiert habe, haben mußte, waren nur Therapien aufgrund guter Diagnosen erfolgreich. Wichtig dabei ist, dass man einen „automatischen“ Fortgang (der Verschreibungen) rechtzeitig stoppt, bevor letztendlich die Drüse rausgerissen wird. Klar, die stört dann nimmer... Was sich für funktionelle Abläufe bewährt hat, ist die Akupunktur; die funktioniert wenigstens. Doch die Akupunkteure in meinem Dunstkreis lehnen hier die Behandlung ab. Doch Akupunktur ist nur ein Teil der TCM - einfach mal nachsehen. Ärzte mit dem gesamten Programm im Angebot, versuchen sich durchaus an der Prostatitis.

Hört sich vlt. komisch an, doch mir hat u.a. der Gedanke über die Frage geholfen, was mir P. gutes bringt. Bitte jez kein entrüstetes Aufheulen - es geht ja nur um einen Weg zur klaren Sicht der Dinge. Nicht der Gedanke ist wichtig, viel eher was man tut. Versuche „deiner“ P. auf die Schliche zu kommen und gehe mit diesem Wissen gezielt auf Therapeuten zu, wo du halbwegs sicher bist, verstanden und gut begleitet zu werden.

Viel Erfolg, Rolf

Rhippitt
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Re: Standortbestimmung

Beitrag von Rhippitt » 12. September 2018 22:52

Hallo zusammen

Besten Dank für eure Antworten. Es tut nur schon gut dass ich mich nicht so alleine fühle.

Johannes: Die Gesprächstherapien, welche ich schon wegen Paruresis hatte, taten teils gut, teils auch nicht. Das Problem war meistens, dass ich mich sehr damit auseinandersetzte, was die Paruresis schlimmer machte. In den Phasen ohne Gesprächstherapie war ich eigentlich entspannter und hatte ehrer mal ein Erfolgserlebnis. Aber wenn man so tief drin ist wie ich, dann wäre warscheinlich nur noch der Weg in eine Stationäre Therapie mit Konfrontation, so wie es kürzlich da im Forum jemand gemacht hat. Einmal war ich in Frankfurt an einem Workshop, 2006, das war aber eher frustrierend, da ich der "Schlechteste" war von den übenden....

Rolf: Ja klar begünstigt die Paruresis die Prostatitis. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl dass das das Hauptproblem ist, denn hier im Forum habe ich noch nie von jemandem mit Prostatitis gelesen. Aber ich muss natürlich auch bemerken, der Arzt hat diese Diagnose einfach mal gestellt. Aber fühlen tue ich die Schmerzen eher weiter vorne, so in der Mitte vom Sack aber bei der Harnröhre. Ich habe das dem Arzt auch gesagt. Aber es wurde Ultraschall, MRT und Blasenspiegelung gemacht. Im MRT sehe man die Entzündung hat der erste Urologe gemeint. Ich holte nochmals eine Meinung ein, der sagte dann das könne man nicht sehen. Rektal wurde ich auch untersucht, Prostata leicht vergrössert aber nur minimal, und Blasenausgang eng, aber noch nicht zu eng. Das glaube ich alles und versuche positiv zu sein, doch die Schmerzen werden immer mehr, am schlimmsten nach dem urinieren, so 2 Minuten danach. So wie wenn was noch klemmen würde in der Harnröhre. Es ist echt zum Verzweifeln. An ein einigermassen normales Leben ist so nicht mehr zu denken. Was auch gegen eine Prostatitis spricht ist, dass bei der rektalen Untersuch keine Schmerzen da waren und auch bei einem Samenerguss es keine Schmerzen gibt. Der Arzt weiss jetzt auch nicht mehr weiter, ich muss jetzt ins Spital zu Spezialisten von Neurologie und Urologie zum Vorsprechen. Da geht vermutlich die Untersucherei wieder los, muss ja, denn so kann ich nicht mehr. Paruresis war mühsam aber diese Schmerzen sind die Hölle. Zudem noch mehr verkrampft und noch mehr Probleme beim lösen. Auch total verängstigt, genau an dieser Paruresis Problemstelle diese Schmerzen. Oje, ich mag nur noch jammern sorry, nehme meine Pflichten wie Arbeit und Kinder noch knapp war, aber wenn ich alleine bin kann ich nur noch weinen und mich verstecken. Sorry mein Gejammer.

Rolf
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Re: Standortbestimmung

Beitrag von Rolf » 13. September 2018 10:21

Hallo noch mal Rhippitt,

doch doch, über die Prostata war hier immer mal wieder was dabei. Man meint, die chronische Entzündung sei (mit) ein Grund für die Vergrößerung. Du bist vllt. erst am Anfang dieser Entwicklung, und die Drüse ist noch relativ klein. Der Teufel scheißt immer auf den großen Haufen :evil:

Was du nicht selber machst, ist nicht gemacht. Jedenfalls könnte bei der neurologischen Untersuchung rauskommen, dass diese Schmerzen (du schreibst von „klemmen“) krampfbedingt sein können. Ich kenne diese Schmerzen untenrum wie von dir beschrieben auch, die können heftig sein, und die waren bei mir stets vom Einhalten. Und kommen nach dem Urinieren!

Wenn die See zwischendurch mal ruhiger ist, versuche Übungen zum Beckenboden. Eine Methode, die bei mir oft wirkt, ist das Übertreiben: Die Gegend vom vorderen zum hinteren Ausgang bewußt anspannen und nach einer Weile feste anhalten wieder los lassen.

Rhippitt hat geschrieben:
12. September 2018 22:52
nehme meine Pflichten ... noch knapp war
Denke über diesen deinen Satz noch mal in aller Ruhe nach.

In aller Stille, Rolf

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