Spät aber nicht zu spät:

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Pebbel
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Beiträge: 2
Registriert: 20. März 2019 09:00

Spät aber nicht zu spät:

Beitrag von Pebbel » 20. März 2019 09:17

Hallo Zusammen,

mein Name ist David, ich bin 61 Jahre alt und wohne in der Nähe von Köln.
Vielleicht denken jetzt viele von Euch, was will der alte Sack hier mit 61 Jahren in dem Forum, da braucht er das Problem auch nicht mehr anzugehen.
Aber gerade deshalb möchte ich mich nochmal ausführlich mit dem Thema auseinandersetzten, weil ich inzwischen viel Zeit habe (so eine Art Vorruhestand) und gerade die Dinge gerne tun möchte, bei denen die Freude durch die Paruresis stark eingeschränkt ist wie z.B. Skifahren, Motorradtouren mit Freunden und auch Fernreisen mit dem Flugzeug.
Zu meiner Geschichte: Ich habe das Problem seit Mitte 20zig, also etwa seit 35 Jahren. Nach vielem Nachdenken bin ich u dem Ergebnis gekommen, das der Auslöser damals eine WG war, in die ich mit 2 Freunden eingezogen bin. Die Altbauwohnung hatte ein Bad, das nur durch eine dünne Rigipswand von der Küche abgetrennt war. Dieses Bad war so hellhörig, dass natürlich jeder mitbekam, wenn jemand auf der Toilette war. Ich erinnere mich, das mir das sehr peinlich war und sich ein Freund darüber lustig machte, als ich Ihm sagte, ich könnte nicht Pinkeln, wenn jemand in der Küche wäre. Und es war fast Immer jemand in der Küche! Er meinte darauf hin nur das er kein Problem damit habe und „überall und jederzeit könnte“!
Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, das das Problem bereits früher in meine Jugend auftrat.

Kurzum habe ich seither viele Vermeidungsstrategien entwickelt die überwiegend so aussehen, das ich Toiletten meide, in denen sich bereits Personen befinden. Und dann gehe ich trotzdem meistens noch auf eine Kabine.
Wie jeder weiß, kann das ganze sehr stressig werden, besonders z.B. in Skiurlauben mit Freunden oder Gruppen. Es fängt schon bei den oft überfüllten Autobahntoiletten an und geht dann weiter mit überfüllten Skihütten etc. Ich bin oft total fertig aus solchen Urlauben zurückgekommen weil ich eben sehr oft nicht Pinkeln konnte und dann lange Zeit einhalten musste.

Ich war auch in den Jahren nicht untätig. Neben dem Lesen der Pflichtlektüre „lass es laufen“ habe ich auch
bei einer Studie von Dr. Hammelstein in Düsseldorf teilgenommen. Das waren mehrere Termine mit Einzelgesprächen und auch Gruppen sowie Übungsstunden. Nach anfänglicher leichter Besserung hat sich dann aber der alte Zustand wieder eingestellt. Das Problem ist wie zementiert und wird nicht besser aber auch nicht schlimmer.
Vielleicht war der Leidensdruck nicht groß genug so das ich mit dem Problem mit Einschränkungen leben konnte. Allerdings gab und gibt es immer wieder Phasen, in denen das Thema total an meinen Selbstwertgefühl kratzt. „Warum kann ich das Normalste auf der Welt in bestimmten Situationen nicht ...Pinkeln!“

Vor kurzem bin ich nun auf das Wemingo Programm im Internet aufmerksam geworden, welches ich sehr ansprechend finde und mich ermutigt hat, das Thema nochmal anzugehen.
Was ich ebenfalls gut fand ist die Aussage, das man das Problem nicht grundsätzlich verschweigen, sondern gute Freunde einweihen sollte.
Meine Frau kennt mein Problem allerdings ebenso wie ein guter Freund von mir sowie 2 weitere Menschen, die mir nahestehen. Alle bringen viel Verständnis auf auch wenn das so richtig keiner nachvollziehen kann.
Mir fällt es allerdings schwer, offen oder auch locker damit umzugehen. Das liegt vielleicht auch an meiner Generation oder meiner Erziehung. In meinem Elternhaus wurde nicht wirklich offen mit Themen wie Sexualität oder auch Intimität umgegangen.

Die größte Hürde bei allen Lernprogrammen ist für mich die Suche nach einem P- Budy. Mir ist es auch in diesem Fall eher peinlich, jemanden zu suchen oder auch gemeinsam zu üben, auch wenn ich das im Rahmen der Studie von Dr. Hammelstein schon mal gemacht habe...
In dem Wemingo Programm wird man ja auch ermutigt, sich in diesem Forum anzumelden.
Vielleicht ist das ja ein weiterer kleiner Schritt bei der Lösung des Problems?!

Ich wünsche allen, die vielleicht eine ähnliche Geschichte haben, viel Erfolg nach dem Motto:
- Spät aber nicht zu spät-

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loat-loopen
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Beiträge: 2
Registriert: 8. April 2019 16:56

Re: Spät aber nicht zu spät:

Beitrag von loat-loopen » 8. April 2019 17:38

Hallo, David!

Ich bin seit heute neu in diesem Forum und deinen Bericht habe ich als ersten gelesen. Die Ursache oder der Auslöser bei dir scheint wirklich ähnlich banal zu sein, wie bei mir. Bei mir waren es "Störungen" auf den Toiletten der Schule im jugendlichen Alter und auch seitens von Angehörigen im privaten Sektor. Ich denke man ist einfach entsprechend übersensibel, was die Neigung zu solchen Problemen anbetrifft. Ich habe mich in den vergangenen Jahren auch mit Themen wie "HSP - Hochsensibilität" auseinander gesetzt und hier einige Erklärungen gefunden. Nichts-desto-Trotz will man dieses Problem nun ja nich für den Rest seines Lebens mit sich rumschleppen. Das Buch von Prof. Hammelstein hatte ich auch gelesen. Ein Seminar wurde aber nicht mehr angeboten seinerzeit. Das Forschungsstudium war wohl bereits abgeschlossen. Ein stationärer Aufenthalt für drei Wochen wurde mir dann noch angeboten, aber das kam für mich aus organisatorischen Gründen nicht in Frage. Mich würde interessieren, was auf dem Seminar genau gemacht wurde?

LG
Johannes, 55

Pebbel
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Beiträge: 2
Registriert: 20. März 2019 09:00

Re: Spät aber nicht zu spät:

Beitrag von Pebbel » 9. April 2019 10:30

Hallo Johannes, danke für Dein interesse.
Bei dem Seminar wurde ähnlich, wie in dem Buch beschrieben, vorgegangen.
Zunächst gab es mit einem Assistenten von der Uni Düsseldorf einige Einzelgespräch. Nachdem ich meine Situation und auch Gedanken geschildert hatte, wurde damals u. a. bei mir so eine Art soziale Phobie vermutet.
Da ist wohl auch was dran weil ich mich nicht so wohl fühle, wenn viele Menschen um mich herum sind. Das löst bei mir schon an sich eine innere Anspannung aus...
Danach gab es ich glaube 6 Veranstaltungen mit den "Probanden" in dem über die Gedanken der Paruretiker gesprochen wurde und den damit verbundenen (möglicherweise) falschen Schlussvolgerungen. Z.B Was denken die Anderen wenn die das mitbekommen.
Dann folgten einige wenige praktische Übungen mit dem Assistenten wobei sich dieser einfach nur in einem gewissen Abstand zu mir Aufhielt und ich dann versucht habe zu Pinkeln. (ob das dann irgenwann geklappt hat weißich nicht mehr genau).
Zuletzt sollte man sich dann eine Buddy suchen um weiter zu üben.
Ich habe mich glaube ich 2 mal mit jemnaden getroffen und dann hat es keine weitere Treffen mehr gegeben.
Dieses Üben mit Leuten, die man zunächst ja auch nicht gut kennt, halte ich auch für den schwierigsten Teil, das Problem loszuwerden. Und ob diese Erfahrungen dann später auf andere Situationen und Menschen übertragbar sind, weiss ich auch nicht.

Grüße David

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