Paruresis und Zug

Zum Eintragen positiver Erlebnisse und Fortschritten

Moderator: SimoneH

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DavidRe
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Paruresis und Zug

Beitrag von DavidRe »

Ich möchte über das Thema Zugfahrt reden. Ich leide zwar schon sehr lange an Paruresis, aber früher waren Toilette im Zug oder Flugzeug nie ein Problem. Dann auf einmal konnte ich auch in solchen Situationen nicht mehr aufs WC und die Reisen wurden zunehmend zur Tortur. Ich habe angefangen sämtliche Vermeidungsstrategien anzuwenden, begonnen mit vorher auf Klo zu gehen, nichts mehr zu trinken bis Reisen zu vermeiden.

Im November habe ich dann den Paruresis Workshop in Wien besucht und begonnen auf öffentlichen Toiletten zu üben, in der Kabine und am Pissoir/Urinal. Jetzt habe ich mir vorgenommen das Zug Thema anzugehen. Ich mochte nicht die Exponiertheit und vor allem die Bewegungen beim Fahren. Ich wollte das nun üben und unter anderem deswegen hab ich mir eine Jahreskarte für die Öffis geholt. Heute war es dann soweit. Ich fuhr 3 Mal die gleich Zugstrecke hin und her. Es ist eine Bimmelbahn mit vielen Kurven und ruckartigen Bewegungen. Ausgerüstet mit vielen Getränken bin ich mit einem leicht nervösen Gefühl, aber voll motiviert los. Und es lief ohne Probleme. Ich konnte zu jeder Zeit, egal ob großes oder kleines WC mit Lueten davor oder ohne. Am Ende hab ich sogar noch einen Bekannten getroffen, der direkt aus dem WC kam auf das ich gerade gehen wollte. Wieder kein Problem.

Mein normales Üben, meine innere Einstellung und das Vertrauen in mich haben mich nun soweit gebracht dass ich ein großes Thema angehen konnte und bewältigen konnte. So kann es weitergehen. Die Lernkuve zeigt steil nach oben. Nach über 35 Jahren Paruresis öffnet sich ein ganz neues Leben.

Man kann Paruresis überwinden! Es ist harte Arbeit. Es ist es aber immer wert. Und es gibt Hoffnung.
DavidRe
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Re: Paruresis und Zug

Beitrag von DavidRe »

Gestern bin ich wieder mit dem Zug 2,5 h unterwegs gewesen. Im Gepäck mehrere Getränke und gute Laune. Manchmal wundert man sich, wie sich die Zeiten auch "schnell " wieder zum Positiven ändern können. Natürlich ist mir bewusst, dass die Fortschritte durch hartes Training und dranbleiben erst möglich sind. Und das auf mehreren Ebenen. Die eigene Einstellung im Kopf, die Bereitschaft sich dem zu stellen und ein neu gefundener Mut helfen dabei wieder mit mehr Freude nach vorne blicken zu können. Und gerade da ist der Blick zurück extrem wichtig. Wie habe ich mich früher versteckt und versucht um jeden Preis zu vermeiden die Toilette aufzusuchen. Und jetzt sehe ich wieder all die (Reise-)Möglichkeiten, die sich wieder auftun und ich kann es kaum erwarten, die Welt entspannter und mit noch größerer Freude zu erkunden. Zugtoiletten machen nun keine Probleme mehr.

Übrigens, super Tipp bei Toiletten im Zug sich breit hinzustellen und abzustützen. Das hat mir sehr geholfen. Und natürlich dass ich die Menschen davor auch nicht mehr wahrnehme und mir egal ist, wenn man mich beobachtet, wenn ich zur Toilette gehe.
FreeMind
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Re: Paruresis und Zug

Beitrag von FreeMind »

Erst mal meinen Respekt, dass Du so engagiert an der Überwindung Deiner Paruresis arbeitest. Ich wünschte, dass alle Betroffenen die guten Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen genauso nutzen würden, auch wenn die mit den Pinkelproblemen verbundenen Einschränkungen nicht so gravierend sind.

Mich hat früher auch genervt, dass ich Probleme im Zug oder Flugzeug hatte, allerdings schaffte ich es immer gut mit Abstützen, so wie Du es auch sagst. Ich vermute, es liegt daran, dass die Beckenbodenmuskulatur bei Paruretikern immer etwas zu angespannt ist. Die Angst hat sich im Körper manifestiert. Bei mir ist das im Laufe der Jahre besser geworden. :)

Weiterhin viel Erfolg!
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