Haltet die Luft an!

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Moderator: SimoneH

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Mr.Smith
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Haltet die Luft an!

Beitrag von Mr.Smith » 20. September 2015 13:57

Hallo zusammen,
zunächst einmal möchte ich euch sagen, dass ich wirklich aus erster Hand weiß, wie schlimm diese "Krankheit" ist. Und wie viele vor euch bereits geschrieben haben, haben sämtliche Bücher auch bei mir nicht den gewünschten Erfolg gebracht, den sie immer versprechen. Bei mir war es wirklich so schlimm, dass ich noch nicht einmal in Ruhe Wasser lassen konnte, nur weil jemand sich im Raum aufhielt. Sämtliche Buchautoren wissen einfach nicht, was es bedeutet, unter Paruresis zu leiden. Allein wenn es total still auf der Toilette ist und ein anderer sich dort ebenfalls befindet, habe ich immer gedacht: der hört mich nicht pinkeln und denkt sicher was schlechtes über mich, weil ich noch nicht mal in der Kabine in Ruhe pinkeln kann. Eins kommt zum Anderen und man verspannt immer mehr und kann immer weniger pinkeln.
Ich habe durch Zufall die Lösung für mich gefunden, und ich hoffe, dass diese Methode euch ebenfalls helfen wird. Ich war z.B. gestern wieder feiern und gehe mittlerweile echt gerne auf´s Klo, weil ich weiß, dass ich pinkeln werde, und auch kann! Selbst am Pissoire ohne Trennwände. Mittlerweile ist mir das egal, was andere denken. Wenn man mal drauf achtet, können genug andere auch nicht gut am Pissoire pinkeln. Aber wen kümmert es eig. was andere denken?! Ich weiß, das ist leicht gesagt, aber nun kommt mein eigentlicher Trick:
HALTET DIE LUFT AN!
Das ist mir nach dem Schwimmen, bzw generell nach einer hohen sportlichen Belastung aufgefallen, dass ich dann immer ohne große Probleme pinkeln konnte. Das liegt daran, dass mein (und bei euch wird es auch nicht anders sein) Gehirn dann nur darauf aus ist, genug Luft für den Organismus zu bekommen. Für so Nebensächlichkeiten, wie Gedanken, die sich mit dem Nicht-pinkeln-können befassen, hat das Gehirn in dem Moment keine Zeit.
Probiert es zuhause mal aus. Ihr haltet so lange die Luft an, bis es richtig unangenehm wird und in eurem Bauch sich schon alles zusammenzieht. Dieses Grefühl, wenn man eine ganze Bahn unbedingt durchtauchen möchte, und man nach der Hälfte der Bahn merkt, dass es knapp wird, weil eigentlich das Bedürfnis zum Auftauchen schon da ist. Ihr werdet merken dass ihr nur noch daran denken werdet, endlich Luft holen zu können/dürfen. Ich kann ja nur von mir sprechen, aber kurz bevor ich dann wirklich atmen muss, weil es nicht länger geht, merke ich, wie sich meine Blase oder was auch immer entspannt und ich es dann so einfach habe, dass ich pinkeln kann.
Probiert es, wie gesagt, erst zuhause aus, dann eine längere Zeit auf Kabinen, und irgendwann werdet ihr gar nicht mehr so einen Stress haben, auf die Toilette zu gehen, weil sich evtl. jemand dort aufhalten könnte. Oder schlimmer noch, ihr sagt in die Gruppe, mit der unterwegs seid, dass ihr pinkeln müsst, und einer davon begleitet euch, und ihr wisst schon vorher, dass ihr nicht können werdet. Diese Probleme bin ich - Gott sei dank- los. Und ich kann euch sagen, es tut einfach nur gut, ohne solche Probleme auf´s Klo zu können.

Ich hoffe ich konnte euch mit meinem Tipp wenigstens etwas helfen :) viel Glück und Erfolg euch alten Klogängerinnen und Klogängern :P :twisted:

nopee
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Beitrag von nopee » 26. September 2015 18:18

Das ist nichts neues. Bekannt ist diese Methode unter der Bezeichnung "breath holding". Leider funktioniert sie wohl nicht bei jeden. Also sei froh das es bei dir geht.

bibimbap
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Beitrag von bibimbap » 1. Mai 2016 10:41

Für mich war das neu und ich muss sagen dass sich durch diesen Beitrag hier mein Leben nachhaltig verändert hat, das war etwa vor einem halben Jahr. Der Trick liegt nicht einfach nur darin die Luft anzuhalten. In dem Moment in dem ich die Luft anhalte beginnt ein Kampf mit dem inneren Tier in einem selbst. Es hört sich doof an, aber ja, es ist ein inneres schreckhaftes Tier, dass sich durch einen seltsamen Automatismus dazu entschieden hat den Sphinkter nicht zu entspannen. Man muss die Luft so lange anhalten bis das innere Tier panisch wird, hier beginnt der richtige Kampf, man muss jetzt stärker sein als der Atemreflex. Unter Umständen lässt man den Atemreflex zu aber presst die Lippen fest zusammen so dass man keine Luft bekommt. Und an diesem Zeitpunkt, wo es praktisch um Leben und Tod geht lässt das innere Tier endlich los und es läuft. Das kann schon mal eine Minute oder länger dauern. Ich muss aber sagen dass ich mit diesem Trick bisher in jeder Situation urinieren konnte. Ich habe überhaupt keine Angst mehr auf öffentliche WC´s zu gehen. Das Urinal vermeide ich noch wenn schon jemand dort steht aber in der Kabine klappt es immer. Es spielt auch keine Rolle mehr ob jemand zuhören könnte. Wenn mein Körper nicht mitspielt wird die Luft abgebunden, und zwar so lange bis er uriniert. Da gibt es absolut kein Entrinnen. Dadurch dass es jetzt immer öfter klappt ist das aber garnicht mehr immer notwendig.

Ich denke das die Paruresis bei mir sehr stark ausgeprägt war/ist... ich weiß nicht wie oft ich schon eine Party vorzeitig verlassen habe weil ich aufs Klo musste und mich dort nicht traute, bzw. auch nicht konnte, probiert hatte ich es ja. Oder wie ich damals in der Schule den ganzen Tag mit ner vollen Blase rumgelaufen bin oder meinen Tagesablauf geplant habe sodass ich zwischendurch an einer Toilette mit Privatsphäre vorbei kam. Oder wie ich mich wenn ich unterwegs war nur besoffen habe weil ich dann wusste das ich leichter urinieren konnte... Schon verrückt. Sogar vor meiner Ehefrau konnte ich nicht urinieren. Sie hat über Jahre nicht mal gemerkt dass ich dieses Problem hatte. Es tat auch unglaublich gut mich ihr anzuvertrauen, das war letztes Jahr im Sommer erst. Ich dachte das würde helfen, tat es aber nicht. Erst dieser einfache Trick, der aber in meinem Fall viel Willenskraft und Stärke benötigt hat mein Leben verändert. Wenn ich das vor vielleicht 10 Jahren schon gekannt hätte ....

Danke Mr. Smith!

nopee
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Beitrag von nopee » 14. Mai 2016 17:53

@bibimbap
erzähl doch mal wie genau das gemacht hast. Ich nehme mal nicht an, das du vorher tief Luft holst. Aber wie genau kannst du dann die Luft 60 Sek und länger anhalten? Bis dahin ist doch der ganze Sauerstoff im Körper so weit aufgebraucht, das man ohnmächtig werden sollte.

bibimbap
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Beitrag von bibimbap » 16. Juni 2016 19:50

Nein Luft nehme ich keine. Ohnmächtig bin ich auch noch nie geworden. Probier es einfach mal aus. Halt die Luft an. Press die Lippen zusammen. Wenn es richtig unAngenehm wird spannst du den Bauch an bis zum geht nicht mehr, aber atmen wirst du nicht. Du kannst dann sowieso an nichts anderes mehr denken als an Luft. Ob jemand zuhört oder sich gedanken macht über die Dauer deines Toilettenbesuches... Spielt keine Rolle mehr. Dein Körper will Luft ? du willst das er pinkelt. es ist ein Kampf. Mein Körper gibt immer nach. Und es funktioniert immer und immer wieder....

Danke mr. Smith.

sandrine
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Atem anhalten

Beitrag von sandrine » 12. Juli 2017 10:26

st das nicht auch ziemlicher Stress für den Körper? ich hab es jetzt erfolglos zu Hause ausprobiert, konnte immer erst, wenn ich dann ausgeatmet habe.

lg
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Re: Atem anhalten

Beitrag von Sasha » 9. Januar 2018 10:59

sandrine hat geschrieben:st das nicht auch ziemlicher Stress f�r den K�rper? ich hab es jetzt erfolglos zu Hause ausprobiert, konnte immer erst, wenn ich dann ausgeatmet habe.
Das hab ich mich auch gefragt. Ob das überhaupt auf Dauer schädlich sein kann, wenn man seinem Gehirn Sauerstoff verweigert?

Ne Freundin von mir meinte auch, sie könne immer erst dann, wenn sie ausatmet....

sandrine
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Re: Haltet die Luft an!

Beitrag von sandrine » 3. Februar 2018 10:20

Hallo Sasha,

schade, dass du so weit weg wohnst von mir! Ich suche immer noch hier eine Leidensgenossin, aber in D und auch im gesamten Ruhrpott scheint es keine Paruretikerinnen zu geben!
Luftanhalten habe ich aufgegeben. Wenn ich auf einem fremden Clo bin, bin ich viel zu angespannt, ob jemand hereinkommt, dass ich mich auch noch aufs Luftanhalten konzentrieren soll. DA ich, wie schon geschrieben durch Paru hohen Blutdruck bekommen habe (was ich vermute) und meine Ärztin meint, es sei bei mir nicht körperlich, da ich oft auch niedrigen Blutdruck habe, also nicht dauerhaft hohen. Leider habe ich hier noch keinen entdeckt, der dasselbe Problem hat. Gottseidank habe ich eine Ärztin, die weiß, dass ich Panikattacken habe (nur nicht welche!) und Alternativmedizin betreibt. Sie hat mir jetzt Lavendelöltabletten gegeben, die den Blutdruck auch senken, ansonsten habe ich noch nicht viel gemerkt.
Ich weiß nicht mehr, wie ich aus dem Kreislauf herauskommen soll, da sich die Paru schon verselbständigt hat und selbst schon eintritt, wenn keiner weit und breit da ist.
lg
Sandrine

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Re: Haltet die Luft an!

Beitrag von Sasha » 14. Februar 2018 15:45

sandrine hat geschrieben:
3. Februar 2018 10:20
Ich weiß nicht mehr, wie ich aus dem Kreislauf herauskommen soll, da sich die Paru schon verselbständigt hat und selbst schon eintritt, wenn keiner weit und breit da ist.
Das ist mithin meine größte Angst! Dass schon zu lesen fällt mir schwer.... Wobei es bei mir schon teilweise so ist.

:cry: Luft anhalten ist auch schwierig...

Susi
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Re: Haltet die Luft an!

Beitrag von Susi » 15. Februar 2018 15:18

Hallo meine Leidensgenossen,

Ich habe für mich einen ganz einfachen Ausweg aus dieser Endlosschleife aus Angst und Frust gefunden.....
Habe immer nun einen Katheter und als Frau unerlässlich!!... einen kleinen Spiegel dabei.( Am besten beleuchtet und vergrößernd!!)
Wenn der Kopf mal wieder nicht mitspielt......hat er eben Pech :wink:
Am einfachsten ist die Behindertentoilette!
Und ihr wird es nicht glauben....alleine DAS wirkt sich schon positiv aus......
Mir ist das auch alles irgendwie entglitten...genau wie bei dir Sandrine...was auch wahrscheinlich mit meinem Brüchen im Rücken zu tun hat,
denn Entspannung ist ein Fremdwort geworden. Fange mit Biofeedbacktherapie an, damit mir bewusst wird, welche Muskeln nicht mitspielen. Vielleicht klappt es ja 8) Alles ist besser wie in der Notaufnahme zu landen.
ICH lasse mir nicht mein Leben von mir selber mehr wegnehmen und werde KEINE Rücksicht mehr darauf nehmen!!
Ich muss mir selber eingestehen, das es die Nähe von Menschen ist, die mich dicht machen. Null Vertrauen.....und somit meine Sicherheit verloren....dabei gelte ich als stark und selbstbewusst.....ich würde sagen.....da täuscht jemand sich selbst. Ich fange nun an, mich selbst wieder zu finden....

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