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Wie geht "breathholding"?

 
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bernhard
Newbie


Anmeldungsdatum: 10.01.2011
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: Mo Sep 02, 2013 9:17 am    Titel: Wie geht "breathholding"? Antworten mit Zitat

Ich war auch auf dem workshop in Speyer und freue mich sehr, dabei gewesen zu sein, obwohl meine Paruresis eigentlich kein "Problem" mehr für mich ist.
Und zwar weil ich die Technik des breathholding/Luftanhaltens gelernt habe. Für jeden, der das schafft, ist die Paruresis keine Einschränkung oder Bedrohung mehr.

Was mich betrifft möchte ich jedoch trotzdem auch ohne die Technik weiter an der Paruresis arbeiten, denn in meinem speziellen Fall erscheint sie mir wie ein sehr symbolisches Symptom für einige ständige Überforderung, die ich an mich selbst stelle. Und was mich natürlich nicht nur beim Pinkeln an meine Grenzen führt. Ein bisschen mehr Gelassenheit, Geduld, und Scheiß-Egal Haltung wäre für mich persönlich sehr gesund, und ist auch alles was ich brauche um pinkeln zu können - insofern hat mir das Üben in Speyer noch bei ganz anderen Aspekten meines Lebens weitergeholfen.

Auf dem workshop wurde mir deutlich, dass es für viele sehr schwierig zu sein scheint die Technik des breathholding/Luftanhaltens anzuwenden, und habe den Eindruck, dass diese Technik gelernt werden muss. Bei Leuten wie mir die Leistungsschwimmen und Tauchen gemacht haben dürfte es viel schneller gehen weil man dann schon gelernt hat seinen Atem besser zu kontrollieren.

Wer es gar nicht schafft, die Technik zu lernen, sollte trotzdem nicht verzweifeln, sondern sich einfach einen Kathether besorgen. Das mag auch erstmal nicht schön sein, aber eine "Lebensversicherung" in der Hinterhand zu haben macht es meiner Erfahrung ungemein leichter die Vermeidungsstrategien zu beenden - und wieder frei zu leben. Eins wurde auf dem workshop für mich deutlich: Niemand muss dauerhaft unter dem Problem leiden, aber es zwingt einen, sich seiner Angst zu stellen und Dinge zu machen die unangenehm und teilweise ungemein peinlich sind. Aber am Ende wird man dadurch nur gelassener und auch reifer.

Nun zum breathholding/Luftanhalten:

- Die Technik ist für normal gesunde absolut risikofrei. Schlimmstenfalls wird einem schwarz vor Augen und man verliert kurz das Bewusstsein (ist aber noch nie passiert, jedenfalls kenne ich niemanden, aber es dauert auch ne ganze Weile bis man wirklich bewußtlos ist. Nur die Angst davor ist das Problem!).
- Ihr dürft keine Angst vor dem nicht-atmen-können haben.
- Wenn ihr das übt, macht ihr im Prinzip nichts anderes als das ganz reguläre Training von Leistungsschwimmern und Tauchern.

- Wie funktioniert es nun? Eigentlich ganz einfach: Halt so lange die Luft an, bis Du pinkelst.

- Wie lange muss man die Luft anhalten? So lange, bis man denkt es geht absolut nicht mehr, und (unbedingt!) noch ein bisschen länger.

- Die exakte Dauer ist natürlich bei jedem unterschiedlich und hängt vom Lungenvolumen und der körperlichen Verfassung ab. Ich würde aber sagen, dass es bei jedem funktionieren sollte, solange mir nicht jemand schreibt er sei kurz ohnmächtig geworden und hätte immer noch nicht gepinkelt.

- Wie kann man es lernen? Nach der Übung in Speyer empfehle ich folgendes: Setzt Euch irgendwo auf ein Klo (egal wo), atmet aus und haltet Euch Nase und Mund zu um ganz sicher nicht zu atmen. Das solltet ihr mindestens eine Minute so durchhalten.

- Da untrainierte Leute anscheinend reflexhaft schnell wieder nach Luft schnappen, wenn sie an ihre Grenzen kommen, werden die meisten Leute üben und die Zeit langsam steigern müssen.

- Nehmt also eine Stoppuhr, haltet die Luft so lange an wie möglich, und verlängert die Zeit jedesmal um 2 Sekunden. Irgendwann werdet ihr an den Punkt kommen dass der Muskel sich öffnet.

- Mit der Zeit kann man dann lernen auch ohne Nase-Zuhalten nicht mehr zu atmen - der Weg ans Pissoir ist frei!

- Mein Körper ist inzwischen so konditioniert dass es beim Luft-Anhalten schon sehr schnell passiert. Allerdings, wenn der Muskel sehr verkrampft ist, muss auch ich manchmal noch richtig lange die Luft anhalten. Aber dann ist auch die Verkrampfung weg und das weitere Üben auch ohne Luftanhalten wieder leichter.

Vielleicht können die Moderatoren diese Anleitung irgendwo noch an prominenterer Stelle in diesem Forum platzieren, z.B. beim Expertenrat. Die Technik ist einfach zu wichtig, und es ist bedauerlich dass bisher so wenige Leute sie verwenden können. Dabei sollte sie erlernbar sein - wäre schön, wenn auch andere noch Erfolgserlebnisse hätten!
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