| 1. Entspannungsübung
*1
1. Spannen Sie Ihren Sphinkter
(Harnröhrenschließmuskel) so stark wie möglich an!
(Beachten Sie: Die Steuerung des
urethralen Sphinkters bezieht sich auch auf den analen Schließmuskel
– beide Muskeln werden also gleichzeitig angespannt)
2. Nun entspannen Sie ihn.
3. Spannen Sie den Sphinkter ein
weiteres Mal so stark wie möglich an – und entspannen Sie ihn
wieder. Dabei konzentrieren Sie sich fest auf das Entspannen –
und erreichen so nach und nach ein höheres Entspannungsniveau des
Sphinkters als beim ersten Entspannen.
4. Wiederholen Sie die Übung häufig
und auch an verschiedenen Orten, so dass Sie Ihren Sphinkter
nach und nach immer bewusster und schneller entspannen können.
5. Wenn Ihnen dies gelungen ist, können
Sie den Schwierigkeitsgrad steigern und sich beim Üben solche
Situationen vor Augen halten, in denen Sie aufgrund Ihrer Angst
bislang nicht urinieren konnten und die Sie deshalb vielleicht
meiden. Versuchen Sie, auch beim Gedanken an eine solche Situation
Ihren Sphinkter bewusst zu entspannen.
6. Wenn Sie gelernt haben, Ihren
Sphinkter bewusst zu entspannen und dadurch die Blasenentleerung
einzuleiten, kann Ihnen das bei der Desensibilisierung, zum
Beispiel im Rahmen einer Therapie, helfen. Das heißt, Sie begeben
sich allmählich in Situationen, die bislang bei Ihnen Angst
ausgelöst haben und in denen Sie deshalb nicht urinieren konnten.
Denken Sie in diesen Situationen daran: für ein Entleeren der
Blase ist es nötig, den Sphinkter zu entspannen. Konzentrieren
Sie sich deshalb auf das Entspannen Ihres Sphinkters, um so die
Entleerung einzuleiten!
*1 Gemailt von Markus.
Danke!
Allgemeines zur Harnblase
Die Harnblase ist ein Hohlorgan, in
dem sich der von den Nieren produzierte Harnstoff sammelt, bis er
über die Harnröhre ausgeschieden wird. An der Innenseite der
Blasenwand befindet sich eine Schleimhaut.
Die Blase eines Erwachsener kann
circa 400 bis 500 ml Urin fassen. Im Normalfall scheidet man 5 bis
6 Mal am Tag etwa 300 bis 400 ml Harnflüssigkeit aus.
Normale Blasenentleerung
An der Entleerung der Blase sind
verschiedene Muskeln beteiligt: der Blasenmuskel (Detrusor) und
die Harnröhrenschließmuskeln (Sphinkter).
Während sich die Blase mit Urin füllt,
entspannt sich der Blasenmuskel. Die Sphinkter dagegen ziehen sich
zusammen, um ein ungewolltes Austreten von Urin zu verhindern.
Ist die Blase etwa zu drei Vierteln
gefüllt und der Blasendruck gestiegen, beginnt man zunehmend,
einen Harndrang zu verspüren. Die Sphinkter bleiben (im
Normalfall) solange angespannt, bis man dem Wasserlassen sozusagen
„zustimmt“ und z. B. eine Toilette aufsucht. Das Gehirn weist
dann die Sphinkter an, sich zu entspannen, während der
Blasenmuskel leicht angespannt wird. So kommt es zur Entleerung
der Blase. Ist dieser Vorgang beendet, ziehen sich die Sphinkter
wieder zusammen und die Blasenmuskulatur entspannt sich – die
Blase füllt sich erneut …
Paruresis-Betroffene verspüren wie
jeder andere bei stark gefüllter Blase den Drang zum Urinieren.
Jedoch haben sie aufgrund eines traumatisierenden Erlebnisses
Schwierigkeiten, ihre Harnröhrenmuskeln (Sphinkter) zu
entspannen. Es besteht also eine psychische Blockade, so dass das
Gehirn die an der Entleerung beteiligten Muskeln nicht normal
steuern kann.
Betroffene können zum einen
versuchen, diese psychische Blockade zu überwinden, etwa in einer
Verhaltenstherapie. Zum anderen kann man lernen, das An- und
Entspannen der Sphinkter bewusster zu steuern.
2. Selbsthilfegruppen und
Treffen
Absolut empfehlenswert sind
Treffen und Betroffenen. Sei es als reine Gesprächsrunde, als "Pee-Buddy"
( gemeinsames Üben ) oder gar bei einer Selbsthilfegruppe.
Gruppen:
Nürnberg:
http://www.selbsthilfegruppen-mittelfranken.de/selbsthilfegruppen/alle-gruppen-von-a-z/76-angst-antipan-erlangen.html
Bitte informiert mich über neu
gegründete Selbsthilfegruppen, Vorhaben etc. - danke!
Nachfolgendes
bitte nur unter ärztlicher Aufsicht!
3.
Therapie
Eine Therapie kann aus drei
Bausteinen bestehen:
a) einem kognitiv orientierten Teil
(negative Annahmen und Gedanken des Betroffenen über Angst auslösende
Situationen korrigieren)
b) einem verhaltensorientierten
Teil (das Urinieren in Angst auslösenden Situationen trainieren)
c) einem entspannungsorientierten
Teil (Techniken zur bewussten Entspannung der an der Entleerung
beteiligten Muskeln)
a) kognitiv orientierter Teil
(„kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Annahmen“):
Die negativen Annahmen und
Gedanken, die der Betroffene rund um die Angst auslösenden
Situationen hat, richten sich zum einen auf den Vorgang des
Urinierens selbst. Beispielsweise kreisen die Gedanken der
Betroffenen darum, was andere denken, wenn man nicht sofort
urinieren kann. Zum anderen befürchten die Patienten aber auch,
eine Entleerungsstörung ist ein Zeichen mangelnder Männlichkeit.
Manche meinen, nur wenn sie auch im Stehen urinieren können,
seien sie ein richtiger Mann. In diesem Zusammenhang kommt auch
zum Tragen, dass eine uralte Form männlicher Rivalität darin
bestand, sich beim Urinieren gegenseitig zu übertreffen. Die
Betroffenen befürchten zu unterliegen bzw. fühlen sich
unterlegen.
Solche Überlegungen werden in der
Therapie bewusst gemacht und sollen nach und nach verändert
werden. Es soll erreicht werden, den Betroffenen andere Denkweisen
zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, schamauslösende
Gedanken stoppen zu können.
b) verhaltensorientierter Teil
(„Expositionsbehandlung“, „Desensibilisierung“):
Im verhaltensorientierten Teil
einer Therapie, der auch „Expositionsbehandlung“ oder
„Desensibilisierung“ genannt wird, werden die Patienten mit
Angst auslösenden Situationen konfrontiert, um die Entleerungsstörung
nach und nach zu überwinden.
Zunächst wird ermittelt, unter
welchen Bedingungen die Entleerungsstörung auftritt. Ziel ist es,
sich schrittweise an die Angst auslösenden Situationen
heranzutasten und sie erfolgreich zu meistern. Dazu ist es nötig,
die Reizbedingungen graduell zu erschweren.
Begonnen wird mit Situationen, in
denen eine Blasenentleerung möglich ist, dabei begleitet der
Therapeut den Patienten. Voraussetzung ist, dass der Patient genug
getrunken hat, um überhaupt den Drang zum Urinieren zu verspüren.
Wird diese Situation gemeistert, also ist die Entleerung der Blase
möglich, wird das Wasserlassen nach wenigen Sekunden wieder
unterbrochen und der Schweregrad wird gesteigert.
Beispielsweise steht der Therapeut
zunächst soweit entfernt, dass der Patient in der Lage ist zu
urinieren. Dann wird die Entleerung unterbrochen und die
Bedingungen werden erschwert, indem sich der Therapeut sich dem
Patienten nähert. Häufig finden die ersten Konfrontationen auf
„kontrollierbaren“ Toiletten statt, beispielsweise zuhause
oder in den Therapieräumlichkeiten. Sind diese Situationen
erfolgreich überstanden (also konnte der Patient seine Blase
entleeren), kann der Schwierigkeitsgrad gesteigert werden, indem
man sich zusammen mit dem Therapeuten in unvertrautere Umgebungen
begibt. Ziel ist es, die Reizbedingungen so lange zu erschweren,
bis auch bisher stark vermiedene Situationen gemeistert werden
(Benutzen des Urinals auf öffentlichen Toiletten) und die
Betroffenen schließlich auch ohne den Therapeuten in ehemals
Angst auslösende Situationen urinieren können.
c) entspannungsorientierter Teil:
Hier geht es darum, Techniken zu
erlernen, um sich in Angst auslösenden Situationen zu entspannen
und damit eine Blasenentleerung einzuleiten.
Zu nennen sind hier die progressive
Muskelrelaxation und die Kegel-Übung. Durch diese Übungen lernen
die Betroffenen, wie sie die urethralen Sphinkter (Muskeln, die
bei der Entleerung der Blase beteiligt sind) bewusst an- bzw.
entspannen. Durch das Entspannen dieser Muskeln wird die
Entleerung ermöglicht.
Die Kombination von kognitiven,
verhaltens- und entspannungsorientierten Therapieansätzen führt
nach Ansicht von Experten zu einer beträchtlichen Besserung der
Entleerungsprobleme bei den Betroffenen. Unklar ist bislang,
welches dieser Therapieelemente nun maßgeblich den Therapieerfolg
ausmacht. Hierzu sind weitere Studien abzuwarten.
4. intermittierende
(zeitweilige) Selbstkatheterisierung
Diese Methode wurde eigentlich für
Patienten mit Inkontinenz entwickelt und eignet sich nur im
Notfall für Paruresis-Leidende.
Zur Selbstkatherisierung gibt es
verschiedene Methoden
a) Die erste Möglichkeit besteht
darin, einen Harnkatheter selbst in die Harnröhre einzuführen
und über diesen den angesammelten Urin abzuleiten. Ursprünglich
stammt die Lösung aus der Behandlung von Inkontinenz
(unkontrolliertes Austreten von Urin). Das hierzu benötigte Zubehör
(sterile Katheter, Handschuhe, Gleitgel) ist im Sanitätshandel
(auch online) zu bestellen.
Wir weisen darauf hin, dass die
Handhabung (Einführen des Katheters) gewisse Schwierigkeiten
bereiten kann. Der Eingang in die Harnröhre bei Frauen
beispielsweise ist nicht ohne weiteres sichtbar. Um einen
Harnkatheter einzuführen, sind ein Spiegel und ausreichend Licht
nötig. Bei Männern stellt sich das Problem, dass die Harnröhre
länger als bei Frauen ist und zudem in Bögen verläuft (vorbei
an der Prostata). Dies erschwert das Einführen eines Katheters. Eine
Einweisung in die Technik der Selbstkatherisierung durch
medizinisches Fachpersonal ist deshalb unerlässlich!
Zudem ist auf strengste Hygiene zu
achten (steriles Zubehör, Desinfektion der Hände und der
Schamlippen bzw. der Peniseichel). Wird dies nicht beachtet, sich
das Risiko einer Infektion mit möglicherweise schwerwiegenden
gesundheitlichen Folgeschäden, etwa der Nieren.
Weitere Hinweise gibt´s hier: http://www.farco-pharma.de/pat/1100.htm
b) Die zweite Möglichkeit ist ein
externes Kathetersystem, das an den Ausgang der Harnröhre
angeschlossen ist und den austretenden Urin in einen Beutel
leitet, der auf der Innenseite der Wade befestigt wird („Urin-Auffangsystem“).
Das System gibt es in
geschlechtsspezifischen Ausführungen.
Bei dem System für Frauen wird an
den Schamlippen ein latexfreier, geruchsstoppender Beutel
befestigt, der den Urin zunächst auffängt. Am unteren Beutelende
ist befindet sich eine Öffnung, durch die der Urin in den an der
Innenseite der Wade befestigten Auffangbeutel geleitet wird.
Bei dem System für Männer wird der externe Katheter wie ein
Kondom über den Penis gestreift. Der austretende Urin wird über
einen Schlauch in den Auffangbeutel geleitet, der an der
Innenseite der Wade befestigt wird.
Der Auffangbeutel wird mit elastischen Riemen am Bein befestigt
und kann über eine Öffnung am unteren Beutelende leicht geleert
werden.
Insgesamt scheint die zweite vorgestellte Methode („Urinauffangsystem“)
leichter in der Handhabung und mit weniger gesundheitlichen
Risiken behaftet als das selbständige Einführen eines Katheters
in die Harnröhre.
Betroffene, die sich für die erste vorgestellte Methode
entscheiden, sollten ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt
(Urologe) führen und sich eingehend über die Methode der
Selbstkatheterisierung und geeignete Produkte informieren.

© stadiumpal
5.
Medikamente
Generell können Beruhigungsmittel
(Tranquilizer) und Antidepressiva (Trizyklika, MAO-Hemmer, SSRI)
zur medikamentösen Behandlung von Paruresis in Betracht kommen.
Bislang sind jedoch keine Erfolge mit einer solchen
psychopharmakologischen Behandlung bekannt.
Zur medikamentösen Behandlung von
Paruresis wird aber auch der Einsatz anderer Mittel diskutiert,
etwa Atenolol, Hytrin oder Bethanechol.
Atenolol gehört zu den
bludrucksenkenden Betablockern, die dafür bekannt sind, bestimmte
Symptome sozialer Angst zu dämpfen.
Hytrin senkt ebenfalls den
Blutdruck und wirkt entspannend auf die Muskeln in der
Blasengegend. Es wurde entwickelt, um Patienten mit einer
Prostatavergrößerung das Wasserlassen zu erleichtern.
Bethanechol unterstützt die
Kontraktion bestimmter Muskeln, die an der Entleerung der Blase
beteiligt sind.
Bislang konnte auch bei diesen
Wirkstoffen kein klarer Erfolg festgestellt werden. Die Forschung
steht aber in diesem Bereich noch am Anfang, so dass weitere
Versuche und Studien abgewartet werden müssen.
6. Tipps und Tricks:
Einigen Betroffenen hilft es, sich
abzulenken, beispielsweise durch Kopfrechnen, Lesen oder auch
autogenes Training. Indem sie sich auf etwas anderes konzentrieren
und nicht krampfhaft auf das Wasserlassen warten, entspannen sie
sich, was das Einleiten der Blasenentleerung erleichtert.
Solche Tricks sind vor allem für
leichtere Fälle geeignet, scheinen aber den Erfolg einer Therapie
zu verzögern.
Ziel einer Therapie ist es, an den
Ursachen der Entleerungsstörung anzusetzen, etwa negative
Kognitionen zu korrigieren und damit das Problem an der Wurzel zu
packen. Die beschriebenen Tricks richten sich eher darauf, eine
Blasenentleerung herbeizuführen, ohne dass dabei das eigentliche
Problem (Angst und dadurch Unvermögen, in bestimmten Situationen
zu urinieren) beseitigt wird. Wenn Betroffene sich dann zu sehr
auf solche Tricks konzentrieren, kann das den Therapieerfolg
behindern. |